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22.06.09 |
Vor etwas mehr als zwanzig Jahren habe ich, wahrscheinlich recht freiwillig, einen, für einen 7-Jährigen, ziemlich bindenden Vertrag geschlossen. Bei, vermutlicher, guter geistiger Gesundheit versicherte ich also mit meiner Unterschrift folgendes: "Ich verspreche, ein guter Jungpionier zu sein. Ich will nach den Geboten der Jungpioniere handeln." Mehrere Schaltjahre haben es seitdem geschafft ins Kalendarium aufgenommen zu werden und die meisten, auf die man damals schwor, waren ohnehin schon tot, der Rest ist es heute. Zeit genug also, meine damalige Ernsthaftigkeit ernsthaft zu überprüfen, da ich ja von staatlicher Seite schnöde im Stich gelassen wurde. Daher nun die Liste, der zu befolgenden Gebote mit der zwo Dekaden späteren Analyse. (1) Wir Jungpioniere lieben unsere Deutsche Demokratische Republik. "Also diese Liebe hat auch aufgrund der langen Abwesenheit der Geliebten ziemlich nachgelassen, auch wenn ich noch gern Pittiplatsch, Nicki und Polytechnische Oberschule sage." (2) Wir Jungpioniere lieben unsere Eltern. "Eine recht grundsätzliche Aussage, welcher wohl auch jeder jederzeit zustimmen mag. Die einzigen Ausnahmen, Inzest, häusliche Gewalt und Kinderhandel, sind mir in meinem Leben jetzt nicht aufgefallen. Von daher gültig wie eh und je." (3) Wir Jungpioniere lieben den Frieden. "Auch dieses stimmt ja wohl eigentlich erstmal immer. Dennoch kann auch der liebste nicht in Frieden leben, wenn es der böse Nachbar nicht will und böse Menschen haben sehr wohl Lieder, wie zum Beispiel Marschmusik. Dennoch hält sich meine Kriegsattitüde zumeist auf schmalem Niveau, weshalb meine Friedensliebe ungebrochen andauert." (4) Wir Jungpioniere halten Freundschaft mit den Kindern der Sowjetunion und aller Länder. "Die Einhaltung dieses Gebots mangelt zum einen an der Ermangelung von sowjetunionistischen Kindern und zum anderen daran, daß ich so wenige Kinder kenne, mit denen ich befreundet sein könnte. Im Grundsatz aber ungebrochen richtig, wenn Kinder heutzutage nicht größtenteils laute, übergewichtige, untergebildete Arschlöcher wären." (5) Wir Jungpioniere lernen fleißig, sind ordentlich und diszipliniert. "Öhm, naja, an sich gute Prinzipien, welche ich aber meiner mit dem Körpergewicht wachsenden Faulheit geschuldet, nur noch auf gezielte Handlungen anwende." (6) Wir Jungpioniere achten alle arbeitenden Menschen und helfen überall tüchtig mit. "Von nichts kommt ja nun einmal nichts. Aber die paar, die noch eine Arbeit haben, die kann man schon achten. Zum Beispiel damit, daß man nicht allzu tüchtig mithilft, um nicht auch noch diese paar Arbeitsplätze aufzuweichen." (7) Wir Jungpioniere sind gute Freunde und helfen einander. "Unendliche Wahrheit, seit unendlichen Zeiten, auch für Nicht-Pioniere gültig." (8) Wir Jungpioniere singen und tanzen, spielen und basteln gern. "Außerdem trinken wir auch gern mal ein Bierchen und sind dem Tabak nicht abgeneigt. Ein fetziger Egoshooter dann und wann und ein wenig Rumgehure stehen uns gut zu Gesicht. Bisweilen können wir auch Spaß an Kampfhundzucht und interplanetaren Kriegserklärungen finden." (9) Wir Jungpioniere treiben Sport und halten unseren Körper sauber und gesund. "Das mit der Sauberkeit ist mit etwas Mühe ja noch recht mühelos hinzukriegen, Gesundheit jedoch krankt schon an den Süchten, welche wiederum atemlose Nichtsnutzigkeit bedingen, die den Sport vernachlässigen lässt." (10) Wir Jungpioniere tragen mit Stolz unser blaues Halstuch. "Hier versage ich komplett. Halstücher jedweder Farben habe ich seit jener Zeit nie wieder getragen und auch die Chancen für die Zukunft stehen eher schlecht." Man liest also, im Grunde genommen bin ich meinem alten Schwur durchaus treu geblieben und habe die unterschriebenen Gebote nahezu strikt befolgt. Und das plane ich auch für meinen weiteren Lebensweg. Pionierehrenwort! |
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21.06.09 |
Wie immer bleiben ja im, nennen wir es einmal hochtrabend so, künstlerischen Prozess einige Fingerübungen, Gedankenspiele oder Verstandeskapriolen, kurzum Fragmente, über. Heute ist es dann mal wieder soweit, auch diese lieb gewonnenen, aber eigenständig nicht lebensfähigen Ideen zu verwurschten und ihnen damit eine letzte Ruhe mit erhobenem Haupt zu gewähren. Ideeneuthanasie gewissermaßen. (1) Als geistige 10 Watt Birne, habe ich mich entschlossen eine neue Geheimidentität als „Captain Inadequat“ anzunehmen. Mein Slogan wird: „Immer für eine Überraschung gut“ sein. (2) Cool is: Wenn man 85 Jahre alt ist und sagt: „Das sag ich meiner Mama!“, Uncool is: Wenn die Mutter ihren Sohn als „Hurensohn“ bezeichnet. (3) Da hat der Erfinder von Firmenname und Slogan wohl versagt, wenn auf der Plane des Getränke liefernden LKWs folgendes zu lesen steht: „Getränke Schenker – Anruf genügt, wir kommen!“ (4) Der Chirurg ging seinem Job voller Herzblut nach, was jetzt für den Patienten eher schlecht war. (5) Das Meer ist blau, nur das rote ist grün, vor Neid und schwarzen Dollars. Das Meer ist blau, nur das rote ist grün, vom schwarzen Golde der Mullahs. Das Meer ist blau, nur das rote wird rot, vom Blut der schwarzen Piraten. Das Meer ist blau, nur das rote sieht rot, voll grüner Greueltaten. (6) Als neulich auf diesem tschechischem Striptease-Sender die SMS eines Zuschauer eingeblendet wurde, (normalerweise steht dort immer so etwas wie „Geiler Zweilochhengst mit devoten Tendenzen sucht ihn 18 – 75 für NS und Kaviarparty“), in der der Verfasser behauptete er hätte Ecstasy und Viagra eingenommen und spiele nun mit der von elf Ejakulationen auf seinem Bauch zurückgelassenen Masse herum, war ich schon etwas angewiderter als sonst. (7) Wenn man eine Naschkatze mit Dyslexie ist, kann es schon mal vorkommen, dass man sich aufregt, weil anstelle des ausgeschilderten Krapfen- tatsächlich ein Karpfenverkauf stattfindet. (8) Manchmal sehe ich das Hausflurfenster in der 4. Etage weit geöffnet, rümpfe kurz die Nase und denke dann „Endlich mal einer, der hier lüftet!“ (9) Trickfilmmonologe, bei denen das Hirn mit der Zunge schnalzt: „Egal, was mit uns passiert, der ewige König darf auf gar keinen Fall mit der Subenergie in die Parallelphase entkommen!“ (10) Ein Text muß wie das Kleid einer Frau sein. Lang genug, um das Thema abzudecken, aber kurz genug, um interessant zu sein. |
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17.06.09 |
TrariTrara der Wochenmarkt ist da! Durch einen wahrscheinlich nicht ganz ungewollten Zufall hat er sogar einige Ähnlichkeit mit der „BiMonSciFiCon“ bei den Simpsons. Nicht nur, dass er pro Zeiteinheit mehrmals, in Worten: Mittwoch, Freitag und Samstags stattfindet, nein auch das besuchende Klientel weist durchaus Schnittmengen auf. Um ein Schild am äußeren Rand lungern zwei junge Damen herum. Mit weit abgespreizten Fingern, als würde ein Bruch verheilen müssen, halten sie mit der einen Hand ihre langen, dünnen Zigaretten am äußersten Filterende fest, die übermanikürten Nägel brechend dabei todesdrohend das sanfte Sonnenlicht, während die Daumen der jeweils anderen Hand rasant über das Neuner-Alphabet der Mobiltelefone hastet. Die von ihnen umlungerte Reklame annonciert „Ecki´s Gulaschkanone“ und darunter recht jovial „Hapi, Hapi!“ womit wohl „Happi, Happi!“ gemeint und der Intellekt des Lesenden einer Attacke ausgesetzt ist. Ältere Damen unterdes trödeln um die Textiltische herum. Letztgenannte sind mit Waren chinesischer Produktion bestückt und werden von Verkäufern vietnamesischer Nation mit nordkoreanischer Härte feilgeboten. Der Asiate hält halt zusammen. Oder auch nicht oder so. Die Kundinnen „in spe“ haben es jedoch äußerst nötig neue Kleidungsstücke zu erwerben, tragen sie doch immer noch die gleichen Kittelschürzen wie vor dreißig Jahren. Jaa-ha, die gleichen und nicht die selben. Ansonsten ist hier überraschend hoher Publikumsverkehr bei Aal-Ole und Schinken-Stefan, aber die schreien ja auch nicht so wie auf dem Fischmarkt. Die Luft und ihr Geruch befinden sich nur wenige Grad vor dem umkippen ins Basar-Flair, einzig die miefige Kleinstadtidylle der veralteten Einkäufer hindert sie noch. Und so schallt es der Muezzin dann von den Türmen: „TrariTrara der Wochenmarkt ist da!“. |
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16.06.09 |
Ich wollte nur (wahrscheinlich) noch einmal drei kurze Punkte anbringen, welche mir echt ganz schön dolle (lies: verfickt megasauarschdoll) auf den Geist gehen. (1) „Es heißt nicht „Dance-Al“ sondern „Den-Sel Washington“!“ (2) „Dieses Schreien, dieses Kreischen, dieses Nachbarskinder peitschen! Is da drüben balde mal Ruhe?!“ (3) „Ich wiederhole: „wo“ ist kein Relativpronomen, und man kann nicht „damit“ anstelle von „dass“ sagen.“ Kruzitürken nocheinmal dreimalschwarzer Kater. |
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12.06.09 |
„Musik für die kalten Tage“ preist das Fernsehen. Hier waren alle Tage kalt. „Weiber sind was für Schwuchteln!“ sagt der Gemeinsinn, „ekelerregend, aber nicht gesundheitsgefährdend.“. „Um zehn hängt die Hose kalt am Bett!“ so sagt der Volksmund. Widersinn mag man denken. Ich bin in den Schlaf gesunken. Mit sachter Furcht und Angst vor Zukunft. Zitternd fast und bange. Mit dir in meinem Arm erwache ich. Das Sonnenlicht scheint sonniger als sonst, die Vögel alldieweil frohlockend. Die Angst ist Rudiment. Ich lächele nur in den blassweißen Morgen, fasse dich fester und glaube, dass alles gut werden kann. Man kann Falten und Bärte haben, wie man will, im Inneren bleibt man doch ein unsicherer 14-Jähriger. Ein Windhauch kreist durch´s Zimmer und lässt die trocknenden Rosenblätter nach Mottenflügelschlag klingen. Unsere Ohren doch, sind mit Liebesschwüren voll. Wir beide als Einheit hier und draußen nur Mandarinen- und Senfwolken im Morgenrot. Weicher Atem, sanfte Bewegungen, Schönheit der Momente lassen auf Ewigkeit hoffen. Wenn auch Widersinn der Preis ist. |
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10.06.09 |
Die Schneeglöckchen recken die Glocken durch die Grasnarbe und mittenmang krakelt ein orangegelber Krokus. Verspätung! Man reckt das Ohr, man ringt nach Luft, man stammelt atemlos. Man blickt ins weite Rund gelassen, man starrt beinahe sinnfrei. Ein Fuchs, der isst ´nen Schmetterling und kann nun nicht mehr lügen. `Ne Schwalbe frisst ein Flusspferdkitz, und kann nun nicht mehr fliegen. In der Unterhose Sahelzone und doch ist sie Plaudertäschchen und Verführerin, die große blonde Einsamkeit. Nur halt ohne einsamen. Schon als Kind steckte sie den Kopf in den Plastikbackofen. Man soll ja auch keine Filme mit Kindern und Tieren drehen. Das gibt nur Probleme. Besonders bei Pornos. Das Zeug liegt dann aber wie Blei in den Regalen beziehungsweise Mottenpapier in der Sockenschublade. Aber so kann man sich doch nicht abspeisen lassen. Heute gibt es Nierentee und Pustekuchen. Schließlich ist das Leben ja kein Holzspielzeugladen. Vielmehr ein romantischer Abend bei Kerzenschein und einer guten Flasche Terpentin. Aus Haferbrocken Haferflocken kloppen sag´ ich immer. Oder zumindestens gerade. Essen Veganer eigentlich natürlich verstorbene Tiere. Also die, bei denen nur die Zeit am längeren Hebel saß? Und so labert man dann das Ungeziefer ins Koma. Und der Tower funkt an den Verstand: „ Hochziehen, HOCHZIEHEN, sie schmieren ab.“! |
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08.06.09 |
Also ab und an träumt man sich schon mal einen ganz schönen Schwachfug zusammen. Ein Telefon klingelt. Person 1[übertrieben fröhlich]: „08/15! Ihre Auskunft mit Auskünften aller Art. Wie darf ich ihnen helfen?“. Person 2 [mit Panik gepudert]: „Oh mein Gott! Oh mein Gott! Oh mei-en GOTT!“. Person 1[beschwichtigend]: „So beruhigen sie sich doch junger Mann. Welches Problem kann ich für Sie lösen?“. Person 2 [immer noch voller Anspannung]: „Oh mein Gott. Ich stehe hier mitten auf dem Marktplatz. Umzingelt und umringt von hunderten Menschen. Und ich habe die mördermäßigste Erektion dieses Jahrhunderts. Oh mein Gott, was soll ich nur machen. Die Menschen schauen schon verwundert. Das Ding geht einfach nicht weg. Oh mein Gott!“ Person 1[telekommunikativ geschult]: „Atmen Sie tief durch. Selbst für diese Art absolut unrealistischer Sorgen wird sich eine Lösung finden lassen.“. Person 2 [erwartungsfroh gespannt]: „Okay, okay, ich atme!“. Person 1[hilfreich und wissend]: „Also das haben wir gleich. Sehen Sie irgendwo eine buckelige ältere Dame mit einem Krückstock, Hängebrüsten und einer ekelhaft behaarten Warze auf der Nase? Vielleicht fehlen ihr sogar einige Zähne?“. Person 2 [angefüllt mit Zuversicht]: „ Ähh ja. Ja. Genau eine solche Frau starre ich schon die ganze Zeit an!!“. Person 1[vollkommen entrüstet]: „Perversling!!“. Tuut-Tuut-Tuut. Also das soll mir mal einer analysieren, aber ab und an träumt man sich schon mal einen ganz schönen Schwachfug zusammen. |
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06.06.09 |
Was ist eigentlich mit diesen Zeitungsmenschen los? Nicht nur, dass ihnen doch allmählich einmal bewusst werden müsste, dass ihr Medium vom Aussterben bedroht ist, bauen sie doch ganz im Gegenteil qualitativ sogar noch weiter ab. Von gewissen Großbuchstabenpublikationen erwartet man natürlich keine philosophischen Überschriften, aber im Allgemeinen dürfte man doch schon mit zumindest geringem Anspruch rechnen dürfen. Jedoch nur meckern „gildet“ nicht, deshalb hier Artikeleinleitungen, welche ich in Zukunft nicht mehr lesen möchte. (1) „17 Tote bei Amoklauf in Bad Reichenhaller Grundschule! Was trieb Cervat (8) zu dieser Wahnsinnstat?“ – Ich vermute einmal ganz stark Wahnsinn! (2) „Schon wieder U-Bahn-Angriff auf Rentner! Hat die Politik versagt?“ – Oder nicht doch einfach der gesunde Menschenver- und Anstand? (3) „Großbrand im Getränkemarkt! Warum musste Cervat (8) sterben?“ – Wahrscheinlich, weil er nicht aus Asbest gedrechselt war. Nachdem somit also die äußeren Grundregeln festgelegt sind, reisst euch einmal gepflegt am Zippel ihr Journaille. | |
12.05.09 |
Der heutige Tag war eigentlich voller Absonderlichkeiten. Schon ganz zu Beginn erwachte ich aus einem Traum, welcher meinen kompletten Nervenzusammenbruch, inklusive Geheule, Gekratze, Geschreie und Vandalismus, beinhaltete. Hilflos sahen meine Freunde meine Psyche zerschmelzen. Gerade aufgewacht aus dem absurden Ballet der Psychopharmaka-Nötigung, entschied ich mich meinen Kaffeé heute einmal mit etwas Zucker zu trinken. Progress starts in the smallest corner. Und dann waren da noch diese Hartz IV-Frauen, die sich selbst wohl mindestens „Hartz -Für-Fraun“ nennen. Ihnen begegnete ich, als ich frohgemut meine wundervoll enthusiastische Nichte auf den Kinderspielplatz beglitt. Irgendwer musste ja ein wachsames Auge äugen und der Mutter etwas Luft verschaffen. „Warum heißt es eigentlich Muttererde?“ rumorte ein unterinteressiertes Weibsstück da herum. „Ich hab ja auch noch keinen Mamagei gesehen! Da stimmt doch irgendwas nich!“. Die ALG II-SitzBank lacht, ich kann mir das Lachen kaum verkneifen; das sichernde Auge immer auf dem Klettergerüst bezwingenden Kind. Schlußendlich vermelde ich gesellschaftskonform unseren Abtritt und zücke den verzweifelten Damen und ihren hyperaktiven Kindern ( wer jetzt schon ununterbrochen raucht, hat auch inna Schwangerschaft nich aufgehört) meinen Hut. Klein-und-süß-Mensch und den alten Onkel HeNMaN erwartet ein Abendbrot. Bis hierhin war der Tag schon absonderlich, doch bald begann die Nacht… |
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03.05.09 |
Normalerweise bin ich ja wie Rauch im Wind, wenn es darum geht sich von bezaubernd formulierten Werbebotschaften einfangen zu lassen, auch wenn ich eine gewisse Affinität zur Spielzeug - beziehungsweise Fast Food-Reklame der kommerziellen Kinderkanäle nicht bestreiten kann. Heute sprangen mir jedoch gleich zwei „Taglines“ ins Gesicht, welche einer Nachfrage bedürfen. Zum Einen war da diese Aufschrift auf dem Nahrungsmittel-LKW. „Getränke Schenker – Anruf genügt, wir kommen!“ war dort auf der Plane inklusive Telefonnummer zu lesen. Also wenn ich das vorher gewusst hätte, dass Getränke einfach so verschenkt werden. Auch in erste Welt Ländern. Also die Nummer habe ich mir schon mal notiert, aber nur für den Notfall, oder die nächste Party. Außerdem brüllte mich aus der Fernsehwerbung auch die Postbank an und slogante mir entgegen: „ Unterm Strich zähl´ ich!“. Worauf ich leider nur zu entgegnen wusste: „AUF´M Strich zähl´ ich!“. Wäre ja auch sonst noch schöner. Aber man darf sich halt von der Werbung nicht so herumkommandieren lassen, muß sich eher wie nebeliger Rauch im Wind verhalten und geruhsam seine eigene Wirklichkeit striegeln. |
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29.04.09 |
Eigentlich habe ich ja immer und zu jeder Situation ein vergnügliches Liedchen auf den Lippen. Vogelgezwitscher, Windverwehungen, Drahtesel ohne Sattel, das alles ruft eine alte Melodei in mir hervor und die muß dann auch mit mittelmäßigem Gesang ausgestoßen werden. Und so begleitschalmeie ich mein Leben dann so dahin und so auch gestern, als ich schlussendlich die Nebenkostenabrechnung meines Vermieters für das letzte Jahr bekommen habe. „superlautSING“ : Yesterday, all my trouble seemed so far away. Wer hätte gedacht, daß das einzige andere passende Lied zur Situation von ABBA stammt? Ich jedenfalls nicht: Money, money, money Zum Glück habe ich immer ein Lächeln auf den Lippen und trällere jetzt “Kein schöner Land in dieser Zeit” vor mich hin. |
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28.04.09 |
Man steht vor der Kasse immer an der längsten Schlange, stets fällt natürlich das teuerste Glas aus der Hand, jedes Mal schwängert man aus Versehen die hässlichsten Genitalkameradinnen mit abzusehender Brut. Jahrhundertelang suchte die Menschheit nach den Gründen für diese Phänomene, bis in den letzten Dekaden schlussendlich der Begriff „Murphys Law“ Eingang in den allgemeinen Sprachgebrauch fand. Das Gesetz irgendeines Murphy, beschreibend, dass alles was schief gehen kann, auch schief gehen wird. In äußerst beeindruckender Weise wurde dies heute durch den etwa 20-jährigen Fahrradfahrer bestätigt, welcher mit mir zusammen die Ampelkreuzung zu überqueren gedachte. In zwei marktübliche Plastiktüten hatte er seine gerade erstandenen Einkäufe gequetscht und diese Umverpackungen wiederum in seinen Fahrradkorb bugsiert. In einigen parallelen Realitäten hätten wir nun einfach nebeneinander an der Ampel auf unsere Grünphase gewartet und wären dann beim Erscheinen des Erwarteten unvermittelt unserer eigenen Wege gegangen. Nicht so jedoch in der realen, und Murphys Law unterworfenen, Realität. Als nämlich das Lichtsignal für unsere Straßenüberquerung gegeben wurde, und wir uns demnach beide aufmachten, die nun ungefährliche Passage auf uns zu nehmen, fiel meinem Mitstraßenverkehrsteilnehmer genau ein Produkt aus seinen eng gepressten Tüten vom Fahrradkorb auf die Straße hinunter. Aber nicht standhafte Tetra-Paks, unanfällige Zitronen oder komplett kaskadenlose Klopapierrollen entglitten der Kontrolle des Mitpassanten, sondern, hier galt immer noch das Gesetz nach Murphy, natürlich der Zehnerpack Hühnerbrut, den er wohl für einige Omelette vorgesehen hatte. Gepäckbereich, Abflug, Asphaltbereich, Rührei. Rührend war auch zu bemerken, dass selbst einige Stunden später die zerschmetterte Verpackungseinheit noch lieblos zurückgelassen am Straßenrand lag.. Aber was soll man mit einem nahezu Dutzend zerbrochener Eier auch anstellen? Außer vielleicht einige Omelette zu verfertigen. Aber diese hätten bestimmt teerig und fahrbahnen geschmeckt. Murphys Law halt. |
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25.04.09 |
Da mich schon seit über einer Woche eine Krankheit mit allen Symptomen einer ausgewachsenen Schweinegrippe, namentlich Bronchialkatarrh allererster Güte, Nasenflüssigkeitsballet und hämmernder Kopfschmerz, plagt und die selbstverschriebene Vitamin C Powertherapie, namentlich Bio-Zitronen kaufen, ungewaschen vierteln und minenlos verzehren, nicht recht anschlägt, habe ich mich entschlossen härtere Geschütze aufzufahren. Der Blick in die Überbleibsel der Atheromantibiotikaverpackung offenbarte fünf übrig gebliebene Medikamentendosen in Tablettenform. Eine gerade ausreichende Anzahl, um sowohl den Bakterien einen gepflegten Scheitel zu ziehen, gleichsam aber zu verhindern, dass sich Resistenzen gegen vorgenannte Breitbandmedizin aufzubauen vermochten. Dennoch ließ ich es mir nicht nehmen mit höchster Aufmerksamkeit die beigelegten Einnahmeinstruktionen zu studieren. Überraschend ließ sich feststellen, dass ein ungeahntes Spektrum an Krankheiten, respektive deren Erreger, zu bekämpfen war. Adieu Nasennebenhöhlenentzündung, Ciao Chlamydien und Cholera. Bye bye Akne vulgaris, Tschüssikofski Tripper und Tuberkulose. Zeile um Zeile zogen sich die zu exorzierenden Erkrankungen. Und ganz, ganz unten, beinahe am Ende der Liste, dann schließlich der Stichpunkt, welcher mich vollends überzeugte unverzüglich mit der Einnahme des Antibiotikums zu beginnen. Selbst gegen Pest sollte das Wundermedikament seine unvergleichliche Wirkkraft entfalten zu können. Pest!! Also wenn das mal nicht die fantastischen Fertigkeiten der modernen Chemie auf das Feinste versinnbildlicht. Lange Rede, in´n Kopf rin. In spätestens fünf Tagen also sollte jedes Bakterium angewidert meinen Körper verlassen haben, selbst wenn sich ein undiagnostizierter Tripper oder eine leichte Pestanwandlung in meinen Eingeweiden verborgen haben sollte. |
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20.04.09 |
Da sind sie schon, der Frühlingswind und das nächtliche Sonnen-Erscheinen. Da sind sie schon die morgendlichen Rentnerhorden mit ihrer Bekleidung aus den Achtzigern und ihren Urenkeln im Schlepptau. Mittags, nämlich nur Kinderwagen, in rund und bunt und überall. Außerdem nur unteralte Schiebende, selbst fast noch Kinder, und dann gleich so viele. Neugeborene scheinen ans Licht zu müssen, pflanzengleich im Wachstum. Oder sollte es bloße Angeberei der gewichtigen 17-Jährigen sein? „Heeda, Ich kann gebären!“. Jedenfalls zerteilen Siech- und Wachstum den Vormittag. Keiner von ihnen vermag es richtig zu laufen oder es in angemessenem Rahmen laufen zu lassen. Zahnlos und gewindelt, „Hurra, das Frühlingslicht ist da!“. Und alle grinsen so unvorteilhaft, die Hälfte gar sonnenbebrillt. Alles scheint hier neu gemischt mit süßem, warmem Wetter. Vorm Chinalokal steht das Pizzalieferanten-Auto. Ob das so geht? Pizza mit Stäbchen? Überall lungern sie umeinander, als ob nichts Wichtigeres zu tun wäre, zum Beispiel mir den Weg frei von sich zu machen oder vor anderer Leute Balkon herumzugröhlen. Einst versprach man uns Miniröcke und Blicke auf geschmeidige Waden. Was ich hier sehe, sind die drei Damen vom Grill, Solariumstoast in Leggings. Wenn Gesicht und Ausstrahlung schon den Charme einer besudelten Sperrmüllsammlung haben, bringt dunkelbraun sein auch nichts mehr. Flotte Sprüche verteilen die Testosteronneulinge. „Titten raus is Somma!“ und „Ich hab nen Schwanz, du hast nen Mund! Merkste was?!“ und „FICKEN??!“ und tragen ihr Genital auf der Zunge. Missbilligung fällt ihnen allerhöchstens anheim und was die angespienen Damen zu erwidern wissen, will ich hier gar nicht schildern. Geruhsam will man sich der milden Lüfte erfreuen, einzig die Bevölkerung hindert einen. Selbst in dieser mittelgünstig besiedelten Ecke. Man knirscht mit den Augen, zermatert sich das Gehör und driftet ab in jene Traumwelt der leichten Musik und seichten Farben. Eigentlich war ich dem Lenz als gekonnter Gastgeber geboren, in modische Karo-Shorts mit Schienbeinlänge, ein türkises 4XL-Shirt und Sneakersocken mit passendem Schuhwerk gehüllt. Doch dieses anarchische Treiben zwischen Gebisspaste, Nuckelflasche, Unterbekleidung bei Übergewicht, allgemeiner Lautstärke und Hormonstau(!!) mache ich nicht mehr mit. So sinnlich sei der Frühlingswind und Sonnenschein am frühesten Morgen, Grundsatz ist und soll bleiben: „Willst du gelten, mach´ dich selten (und besonders im Straßenverkehr)!“. |
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12.04.09 |
Unverfroren brüllet hier, die Kohlmeis´ durch´s Gezweige. Die Uhr zeigt 5:30 Uhr an, dem Morgen zeigt´s die Meise. Die Sonne steht schon auf halbacht, die Wolken blinzeln träge. Dem Vöglein quietscht´s das Kehlchen raus, auf das sich Leben rege. Im Grase läuten die Schneeglöckchen, und mittenmang ein Krokus. Auch er krakeelt nach Sonnenschein, mit ihm wohlfein im Fokus. Ein laues Lüftchen lustwandelt, durch Äther und´s Azurne. Will mal ein freches Früchtchen sein, das stets durchs Leben turne. Rundum, schlußendlich ist er da, der Lenz, der wunderbare. Und Kohlmeis´ zwitschert ihm zum Gruß, wie stets und alle Jahre. |
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08.04.09 |
Während ich so vor mich hin oxidiere und überraschend den Song „Sleepin´ in my car“ von Roxette höre, wuchern dann doch Erinnerungen an die frühen Neunziger Jahre in mir. Aus den Haarspitzen tropfte schon Idealismus, auch wenn man abscheuliche Musik, wie die Gesänge des „Dr. Alban“, zumindest interessant fand. Als tiefschürfend verstand man seine Gespräche über Weltpolitik und linksseitig erwünschte Dominanz. Man dachte mehr als genug zu wissen, alldieweil genug um mitreden zu können, und war dennoch völlig ausgeklammert vom monetären System aus brutto, netto, Blitzerphotografie, Steuererklärung und Abwrackprämie. Man saß halt auf dem flauschigen Teppichboden der Eltern herum, schlürfte Fencheltee, hörte Bob Marleys Kampflieder im Radio und machte die ganz, ganz große Weltpolitik mit Worten, Vermutungen und frommen Wünschen. Wahrscheinlich war das sogar gut so, schließlich gehören dieser Aktionismus und das idealisieren eines Utopia der Jugend. Nicht umsonst betone ich gern, einen bekannten Wahlspruch ins Negativum verkehrend, dass wir uns die Kinder nur von der Zukunft geliehen haben (Kratzer und Schmauchspuren kosten bei der Rückgabe extra, nicht zurückgespult = 50 Cent). So saßen wir also und dezimierten allerhand Teebeutel und vergaßen doch den kleinen Hinweis an die internationale Rechtssprechung, welcher sich mir heute offenbarte. Wenn nur noch die Sorten „Sahne-Karamell“ oder "Kirsch-Banane“ im Küchenschrank vorzufinden sind, haben die Teereserven aus Artenschutzgründen, als inexistent betrachtet zu werden. Außerdem schmecken die scheiße. Und diese Regel gilt nicht erst seit Roxette in den frühen Neunzigern phänomenale Erfolge feierte. |
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07.04.09 |
Heute gibt es mal drei faktisch tagesaktuelle Gedanken, welche meinen Vormittag bestimmten. (1) Wenn jemand in ein Gerichtsgebäude geht, dort ein Waffe zieht und zuerst seine Schwester und danach sich selbst erschießt, dann ist das zwar tragisch, aber keinesfalls ein "Amoklauf", ganz egal wie sehr RTL Punkt 12 und bild.de das gerne hätten. (2) Eigentlich dachte ich ja, Jeanette Biedermann sei nur keine Schauspielerin und keine Sängerin. Nun beweist die neuste Ausgabe von "FHM" eindrucksvoll, daß sie außerdem auch noch kein Model ist. (3) Ein Auszug aus dem Werbetext eines Navigationsgerätes: "Geeignet für PKW und LKW. Digitaler RDS-TMC-Empfänger mit DSP-Prozessor. Kostenloser TMC-Empfang über UKW. Anschluß über USB." Merkt ihr WAS?! | |
07.03.09 |
Manchmal tanzt das Herz ekstatisch, voller Gefühle und Farben in wild umwundener Konvulsion, wie ein Luftschlangenregen. Nach allen Seiten droht der Brustkorb zu zerbersten vor Glück und zielloser Freude. Naturgewaltig strömt das Blut, hängt im Augenwinkel eine süße Träne. Dein Anblick verschleiert dann die Realität, taucht alles in Silber und Ocker. Du nimmst Gedanken den Anfang, das Ende, lässt nur hilflose Mitten zurück. Die Ideen springen konfus umher und tun es den Blicken gleich. Übervoll reizt du die Sinne mit Wonne und sprichst und lachst mit weiten Augen. Vergleiche können nicht standhalten, seien es Meere, gewaltige Gipfel, wenn nicht das Universum selbst. Alles sind wir und gleichzeitig nichts. Alles und doch kleinster gemeinsamer Nenner. Eine lautlose Sprache segelt seicht zwischen den Lippenpaaren, eine geistige Kongruenz voller Ecken und kleiner Kanten. Blick und Gegenblick, einen Wimpernschlag lang. Kurz scheint sich Zweifel anzuschleichen, doch du lächelst und die allerkleinsten Falten zeichnen dein wundervolles Antlitz. Es lässt mein Herz ekstatisch in Regenbogenfarben tanzen, ummantelt von halben, zuckenden Gedanken. Die Brust scheint vor Freude zu bersten. Die Gefühle sind rasend und nicht greifbar, dennoch so unglaublich schön. Und all das in einer Sekunde. |
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06.03.09 |
Die Ausgangssituation: Der Morgen hat wieder einmal überraschend eilig Fahrt aufgenommen. Aus Zeitdruck droht Zeitnot droht Verspätung zu werden. Zigaretten- und Bargeldbestand befinden sich auf einem historischen Tiefststand, dennoch zittert die Lunge entziehend vor sich hin. |
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04.03.09 |
Mit leichter Hand nahm ich den zur Hälfte seiner Größe verkommen Brotlaib aus dem Schrank und entriss ihm unter Zuhilfenahme einer scharfen Klinge eine weitere kostbare Scheibe seines Leibes. Behelfs bewährter Geste beschmierte ich sie mit Sonnenblumenmargarine und bedeckte die fettige Beschichtung mit einer Salamischeibe. Flugs war so ein ebenso minimalistisches wie nahrhaftes Frühstück entstanden, welches ich zum Verzehr vor den Fernseher verbrachte. Ich rieb mir schon die Hände aufgrund der grandiosen Gaumengenüsse, die mich nun erwarten sollten. Ein herzhafter Biss in die Bemme offenbarte jedoch eine eklatante Missbildung, welche sich vorgenommen hatte mir den Morgen zu verderben. Der Fungus hatte sich verfestigt, der Schimmel also, das Brot beinahe unsichtbar erobert. Er hatte einzig vergessen seinen Geschmack zu maskieren, so dass meine Zunge ihn im Handstreich ertasten konnte. Angewidert spie ich die eingespeichelte Salami-, Schimmel- und Streichfettmixtur auf den Teller und spülte die Reste mit einem angenehm heißen Schluck Pfefferminztee hinunter. Die anschließende Analyse des Restbrotes ergab eine großflächige Kontamination, was zur Bekanntschaft des Müllbeutels mit letztgenannter führte. Nun entspann sich jedoch recht sorglos ein neues Problem. Die Vernichtung des sporenbefallen Teigkörpers hatte nämlich nicht zur Tilgung meines Hungers beigetragen und weiteres Brot war im ganzen Haushalt nicht aufzutreiben. Urplötzlich jedoch fielen mir jene unsterblichen Worte der allzu sterblichen Marie-Antoinette ein. „Wenn das Volk kein Brot hat, soll es doch Kuchen essen.“. Also zum Volk gehörte ich ja schon mal, wenn auch ursprünglich eine andere Nationalität gemeint war. Kein Brot hatte ich auch. Und Kuchen? Ein Geistesblitz einige Tage zuvor machte das unmögliche nun aber dennoch möglich. Hatte ich mir doch überlegt, dass dieses ganze Kaffeegetrinke irgendeine feststoffliche Grundlage benötigte und mich für einen eingeschweißten Gugglhupf, allein der Name war ein ziehendes Verkaufsargument, im Niedrigpreisbereich entschieden. Und so saß ich nun mit einer halbliter Tasse hellbraunen Kaffees, einem leichten Pilznachgeschmack auf der Zunge und einem zum überdecken dieser Fahne angetretenen Zuckergebäck auf den Knie vor dem TV-Gerät und frühstückte wie eine französische Königin. |
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03.03.09 |
Wenn man sich als Dame schon eine günstige Jacke mit, vermutlichem, Kunstpelzkragen auf einem polnischen Grenzgebietsmarkt kauft, und der außenstehende Betrachter dieser Obertrikotage ihre Kostengünstigkeit auch ohne weiteres anzusehen vermag, sollte besagte Kundin besser darauf verzichten eine Signalfarbe wie hellrosa oder dunkeltürkis für ihr Kleidungsstück auszuwählen. Kurzum: Kein rational denkender Mensch kann etwas dagegen haben, wenn sich eine mittelalte Dame aufgrund mittelstarker Finanzkraft dazu durchringt eine winterlichen Temperaturen angemessene Jacketierung auf einem erheblich preiswerterem polnischen (Floh-)Markt zu kaufen. Dennoch sind die, die allerreinste Billigkeit signalisierenden, Farben im „Achtung, hier könnte / müsste / sollte / dürfte jemand wahrscheinlich frieren“-Bereich eine seit Jahrhunderten akzeptierte Modesünde. Und das nicht nur in Mailand, Paris, New York oder Takatuka-Land, sondern global. Gegen wärmende Kleidung ist grundsätzlich nichts einzuwenden, solange man nicht jedermanns Augäpfel mit einem Kinnhaken daraufhin faustschlägt. |
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02.03.09 |
Überraschenderweise hat sich herausgestellt, dass der einzige nicht monetäre Vorteil von werktäglicher Arbeit und dem damit verbundenen, und straff einzuhaltenden, Zeitplan der ungeheure Wertzuwachs des arbeitsfreien Wochenendes ist. Die rein seelische Befriedigung irgendetwas geschafft zu haben, will ich hier einmal hintanstellen, da man sie auch erreichen kann, wenn man morgens um drei Uhr mittags (!) ein Sudoku des höchsten Schwierigkeitsgrades löst, den „Running-Gag“ der neuesten „30 Rock“-Folge auf Anhieb versteht, die Frühstückseier beim Kochen nicht platzen, einem eine echt gute Idee für einen neuen Text gekommen ist, die Mittagsluft irgendwie nach Zuckerwatte riecht oder man feststellt, dass die herbeigeschafften Nahrungsreserven locker ausreichen, um mindestens ein bis drei Tage das Bett beziehungsweise die Wohnung beziehungsweise das Haus nicht mehr verlassen zu müssen. Da die fröhlichen „yellow brick road“-Tage aber nun für mindestens sechs Monate (vermutlich oder auch hoffentlich länger) Vergangenheit zu sein scheinen, gelingt es mir auf einmal doch noch die schmale Periode der gesellschaftlich akzeptierten und so genanten Faulheit des Wochenendes zu schätzen. Props to the(hard) working. |
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23.02.09 |
Obwohl mir Ein-Parteien-Diktaturen, gerade als Deutschem, eher zuwider sind, muß ich die chinesische Regierung an sich doch zumindest in einem Punkt loben. Schließlich konnte sich die kommunistische Führung dazu durchringen die riesige Fläche des eigenen Landes mit nur einer Zeitzone zu beglücken. Wäre ja auch echt zu blöd, wenn eine Milliarde und noch was Menschen ständig hin- und herrechnen müssten, wie spät es denn jetzt im Nachbargulag ist. Allein die wirtschaftlichen Folgen wären nicht zu erahnen, mal ganz abgesehen davon, dass es im Juli ruhig schon mal um 17:00 Uhr dunkel werden darf. Eine, gleiche Uhrzeit eben, überall, zumindest offiziell. Zwischen US-Amerikanern und Europäern herrscht eine solche Absprache leider nicht, was allerdings meistens recht sinnvoll ist, da sich der Sonnenstand an der Uhrzeit orientiert beziehungsweise ganz genau andersherum und wir ja auch nicht dasselbe Land sind. Berlin, 12:00 Uhr mittags, strahlender Nieselregen. New York, 6 Uhr früh, dämmernde Globalisierung. Los Angeles, 3 Uhr nachts, Schleiereulen im Schleier der Dunkelheit. Und das alles gleichzeitig und mit den Regeln unseres Sonnensystems konform. Für sich genommen, ist dieses Herangehensweise durchaus sehr zu begrüßen, ihre hinkend humpelnde Heraldik wird einem jedoch erst gewahr, wenn man einmal das überseeische Fernsehprogramm konsumieren möchte. Drüben wird es zur so genannten „Prime-Time“ versendet, hüben jedoch ist schon stockfinsteres Schattenreich angesagt. Dennoch koffeinisierte ich mich im fahlen Schein der Deckenleuchte in die Nacht, war doch die Verleihung des größten Mainstream- Filmpreises, des „Oscars“, mal wieder pünktlich zur Jahresfrist zu verfolgen gewesen. Wie bei Veranstaltungen dieser Größenordnung üblich, gab es dann auch im Vorhinein jede Menge Klatsch und Tratsch und Vermutungen und Verwünschungen und Wünsche und Willensbekundungen zu vernehmen. „Hach sehen sie heute Abend gut aus, von wem ist denn das Kleid?“. „Wir sind Oscar! (Hoffentlich vielleicht)“. „Dieser Film, wo der eine immer jünger wird, wenn er älter wird, muß es reißen“. Und so weiter und sofort. Zu unser allem, und speziell meinem, Glück, wartete die durchwachte Nacht dann aber doch mit allerlei Überraschendem auf. Ein glänzend aufgelegter Hugh Jackman, ja „Wolverine“, führte singend und tanzend und auch erfrischend unangreifend, durch den Abend und das Design der Show schien in seinem Retrogewand doch irgendwie modern. Der angesprochene „Benjamin Button“-Film erhielt sehr zurecht quasi nur „Ehren-Oscars“. Die „Academy“ hatte bemerkt, dass die Geschichte, um den sich verjüngenden Brad Pitt nur plattes Mittelmaß war. Eine Angelegenheit, welche nur von ihren Tricks lebte, ansonsten belanglos und langwierig war und nie recht zu überzeugen wusste. Leider musste der grandiose Mickey Rourke als bester Schauspieler in „The Wrestler“ scheitern, da der eben noch grandiosere Sean Penn als Schwulenaktivist Harvey Milk in „Milk“ irgendwie mainstreamiger war. Klingt komisch, ist aber so. Die Bombe ließ jedoch der mehr als fantastische Minimalbudget-Streifen „Slumdog Millionaire“ platzen. Ganze acht Trophäen konnte die indisch-britische Coproduktion einheimsen, und jeder war mehr als verdient. Welch unglaubliche Kraft hatte der Regisseur Danny Boyle doch auch auf der Leinwand entfesselt. Man könnte fühlen und riechen und einfach nachempfinden, wie viel er seit seinen „Trainspotting“-Tagen dazugelernt hatte, und wie er dieses frühe Werk elegant mit „City of God“ verknüpfte, um dann aber doch etwas ganz neues Einzigartiges abzufeuern. Eine Liebesgeschichte erzählt durch eine indische „Wer wird Millionär“-Sendung, in Bombay, unter den ärmsten der Armen, unter den willkürlichsten Widrigkeiten, in unglaublichen Bildern, mit unfassbarer Musik und nur einem „Bollywood“-Tanz im Abspann. Insgesamt eine offene Ode an ein Milliardenvolk mit vielen Ecken voller Probleme und ein mehr als verdienter Sieger jedes einzelnen Preises von der Musik über die Regie bis hin zum besten Film. Ich kann jedem nur schwer ans Herz legen dieses Kunstwerk selbst zu sehen. Schließlich handelt es unter anderem auch von einem Volk der hundert Millionen, welches mit der normalen Zeitzonenregelung durchaus einverstanden ist, da die Sorgen und Nöte ganz wo anders liegen. Ein fesselndes Meisterstück allemal, für dessen Triumph allein, sich das wachen bis ins Morgengrauen gelohnt hat. |
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19.02.09 |
Gerade ist mir aufgefallen, daß meine heutige Hauptwohnzimmerbeleuchtung, vor etwa 16 Jahren noch unsere Küchenlampe war. Natürlich mit einer ganz, ganz anderen Glühbirne mit ohne Atmosphärenausgleich. Aber der Schirm und das spiralene Deckengeflecht, wie vor anno dazumals. Jetzt würde mich natürlich mal interessieren, wo der Tisch und die Stühle dieser Periode verblieben sind. Wahrscheinlich alle schon seit langen Jahren tot. Unumwunden, scheint die Licht- beziehungsweise Helligkeitsausbeute aber dennoch angenehm ausreichend zu sein. Auch wenn da unten am Lampenschirm ein Fliegenkadaver klebt, dessen posthumes Alter wohl niemand zu bestimmen weiß. Er könnte zwo bis fünf Umzüge miterlebt haben, aber wer kann das schon genau sagen in dieser (super-)schnell lebigen Zeit. Als der Lampion sein ursprüngliches Betriebsgelände betrat, trieben sich dort ja auch noch zwei wild stromernde Katzen herum. Katzenfloh, Zecke, Tsetsefliege, was lauert nicht alles in unbeachteten Ecken. Wer weiß was verblieb. Außer einem geschmackvoll sanftem 60 Watt Licht, welches eine anheimelnde Atmosphäre zu vermelden mag. Und außerdem diese flexible Deckenkonstruktion anbietet. May the light be with us… |
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18.02.09 |
Warum sollte ich mir hier eigentlich jeden Tag die Genitive abwürgen oder uninteressante Plusquamperfekte zusammenflexen, wenn doch vor 150 Jahren alles schon einmal genau richtig geschrieben wurde? Natürlich gebietet es mir mein kreativer Stolz, hier keine "Zitatebude" zu eröffnen, doch manchmal kann man es einfach nicht besser ausdrücken als die Besten, auch soviel bewußte Einschätzung eines Fähigkeitenmobiliars muß vorhanden sein. Von daher heute ein Auszug, wahrscheinlich der einzige, aus dem Werk von Hedwig Haberkern (1837 - 1902) in der modern verwandten Version: Schneeflöckchen Weißröckchen Kann man die sanfte Winterlichkeit vor Fensterscheiben und auf Gehwegen besser beschreiben? Kann man ein besseres Synonym für "Jungfrau" und "jetzt wird aber mal so richtig losgefickelt" finden (Dann baun wir den Schneemann und werfen den Ball --> massive Penetration anyone?). Ich, glaube, vermutlich, fast, ein wenig, nein. Und daher habe ich mich auch entschlossen, heute einmal recht wenig eigenen Beitrag zu leisten, und Frau Haberkern mit ihren vortrefflichen, genau treffenden Worten den Tag beschreiben zu lassen. Sie hat nur das Eis vergessen und den grauen Matsch und den braunen Matsch und die Pfützen. Aber die globale Erwärmung, respektive Klimakatastrophe ist ja eher so ein zwotausendundzehner Ding und war damals noch nich einzukalkulieren. Wenn auch die aktuelle Promiskuität schon im Text mitschwingt. Nichtsdestoweniger sage, ja brülle, ich fast: "Schneeflöckchen, Weißröckchen, verpiss dich mal ganz gepflegt nach Norden. Du Arschloch, weißes!". |
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14.02.09 |
„Mach´ schon mal die Milch auf“, brülle ich dem Kühlschrank über den halben Flur zu, „ich will gleich ´nen Schluck trinken!“ Aus der Küche keine Antwort, obwohl ich genau weiß, dass er mich gehört haben muß. Mein Geisteszustand beginnt dennoch an mir zu zweifeln, als ich meinen Durst erneut lauthals verbalisiere. Rasch bemerke ich seinen Argwohn und wir schicken uns an, ein Wettrennen zum Milchkarton zu veranstalten. Japsend durchsteche ich Luftraum und Ziellinie und beginne den Verstand auszulachen. „Ja,ja mein Bester, das Leben ist wie ein Sack Kartoffeln, der letzte muß den Sack fressen! Aber nun sei mal nicht so eine Miesepetra, du kriegst auch ein Schlückchen Kuhsaft ab.“ Verwundert wundert sich der Intellekt, dass unser Stammbaum kein Kreis ist, willigt dann aber doch dazu ein seinen Anteil der Siegprämie in Empfang zu nehmen. Mit beherztem Griff entfernte ich die Kartonage aus dem Abkühler, auch wenn dieser diese nicht meinen Anweisungen entsprechend geöffnet hat. Glucksend rinnt das weiße Nass über Unterlippe und Kinnbart, während seine subpolare Temperatur zum Hirn eilt, um sich dort eisig auszutoben. Der Frost kappt leichthändig einige Kapillare, gerade als hätte ein Eisbär harmlos ins Hinterstübchen geharnt, und fräst sich zu den Schläfen durch. Die Pupillen schwitzen schon, fast sind es Tränen. Ächzend stöhnt der Geisteszustand schmerzvoll. „Haha, mein Lieber“, weiß ich ihm zu entgegen, „besser Socken- als Kopfschuss!“ Und wir beschließen, angestachelt von dieser Einsicht, Frieden zu schliessen und uns wie Hemingway mal so richtig den Schädel wegzuknallen. Also jetzt mit Whiskey und nicht mit einer Schrotflinte. |
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12.02.09 |
Die rote Sonne frisst die letzten Wolkenfetzen der Nacht. Mit Eisvogelaugen betrachte ich das wasserfallene Farbenballet, das dich umspielt. Wie ein Funken Feuersbrunst dein Augenschein, wie ein Tropfen Weltmeer deine Tränen, wie ein Hauch Sturmfront deine Stimme, wie ein perfektes Körnchen Zentralmassiv dein Gesicht. Ungezügelte Freiheit strahlt durch dich hindurch. Ich will, ich muß, der Wildnis deines Herzens eine Heimat abringen. Dort will ich Hof halten für Liebreiz und Gnade und Anmut. Mit dir die Wolken umarmen und den Wind streicheln, durch Sonnenstrahlen segeln. Und Küsse empfangen von Rosenlippen. Deine Umbraaura erdet uns, so sehr, dass jede Minute in der ich deine herzversengende Schönheit betrachte tausend Milliarden Sekunden zu haben scheint. Die Seelen wiegen einander in den Schlaf, säuseln Liebesreime. Die Finger verknotet, man weiß die Körper nicht auseinander zu halten. Diamantatem weht glitzernd über die Schläfen, zersaust das Haar in zärtlicher Geste. Die Herzen, schließlich, verwoben. Voller Kraft im Gleichklang und blutrot. Gerade wie die Sonne, die die letzten Fetzen der Nachtwolken frisst. |
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11.02.09 |
Wenn man die Spam-Mails von nigerianischen Bänkern und Viagraanbietern einmal außen vorlässt, besteht das Internet bekanntermaßen ja aus den Stützpfeilern Urheberrechtsverletzung, Werbung und vor allem Pornographie. Zumeist muß man noch nicht mal explizit nach Nackedeis fahnden. Früher oder später öffnet sich bei jedem das ein oder andere Pop-up oder ein umgelenkter Link und hastdunichtgesehn springen einem die Barbusigen und Schlüpferlosen um die Augen. War man in den Anfangstagen des Internets noch bass erstaunt, schließlich wuchs die eigene Sexualität damals noch ebenso geruhsam dahin, wie sich die Bilder mit dem 28.8k-Modem aufbauten, ist heute ein gewisser Sättigungsgrad erreicht. Letztgenannter wiederum ist inzwischen so hoch, dass man darin verfällt die Pornographie als humoristische Kampfgruppe zu verstehen. Da mir dies in den vergangenen Wochen vermehrt auffiel, habe ich mir einfach mal die witzigsten Titel von Fickelfilmen notiert, welche so über meinen Bildschirm schwadronierten, nur die Titel wohlgemerkt, und sehe mich nun in der glücklichen Lage hier meine zehn Top-Favoriten zum Besten zu geben. Also, tätärätää, die Top-Ten Pornotitel, die ich in letzter Zeit gelesen habe: Platz 10 – „UrOmania 14“, für Freunde des abgehangeneren Schinkens. Platz 9 – „Desperately seeking Cock 2“, wer suchet, der findet. Platz 8 – „Anal Acrobats 3“, wenn stretching für den Arsch ist. Platz 7 – „Midget Gang Bang“, klein, aber oho, beziehungsweise zu zehnt. Platz 6 – „Rock out, with your cock out“, im Vollkontakt Hotelzimmer zertrümmern. Platz 5 – „My hot wife is fucking Blackzilla 3“, and all I got was this lousy T-Shirt. Platz 4 – “Face Invaders 2”, ein Videospielklassiker trifft auf Erektionen, der Nerdhimmel. Platz 3 – “2 plus Me equals 3”, Mathematik für die, die nur eine Hand frei haben. Platz 2 – „Gang Bang my Face“, große Klappe, nichts dahinter, darin aber jede Menge. Und schlussendlich, bumsfallara, die pornographische Filmkunstveröffentlichung mit dem ansprechendsten Titel: Platz 1 – „Super cute barely legal skinny amateur Teens try out for porn“, quasi für jeden was dabei, wenn er jetzt nicht auf hässliche, zu junge, fette, professionelle oder alte Geschlechtsaktpartizpanten abfährt. Da der Nachschub an Liebhabfilmen schier unendlich ist, werde ich diese Analyse in loser Folge fortsetzen, bis dahin die Hände immer schön über der Bettdecke lassen… |
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10.02.09 |
Leute mit Geläute, will sagen Frauen obenrum, bemalt euer Gesicht, täuscht uns mit Fassaden. Tüncht die Haare, schminkt Lider und Lippen, Wangen und Wimpern, schafft Schönheit auf damastenem Untergrund. Trickst mit Tusche und Kajal. Seid frei im Farbenkasten. Macht Regenbogenfarben euch zu eigen, auf Kussmündern und Herzschmelzblicken. Dahinter muß nur Wahrheit ruhen und Humor auch und Lektüre. Schmetterlingsantlitze müssen auch geistig fliegen können. Maskiert euch, beschmiert euch, wenn es nur etwas zu verstecken gibt. Wenn man Tiefe finden kann, ein Forscherdrang gar von Nöten ist. Wenn Worte nicht bloßer Selbstzweck sind, vielmehr Botschaften tragen. Hübsch herausgeputzt zu sein transportiert die optischen Stärken, doch dahinter liegt die Welt, des Sinnens, des Trachtens, der Herzen. |
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03.02.09 |
Wer knispert sich durch´s Unterholz? Wer biegt die Grashalme herum? Wer wackelt an den Stauden? Es scheint der fiese Furzlord ist´s, der garstige Gemeine. Im Schlepptau den fabelhaften Mr. Idiotenschleim und jede Menge Luft nach oben. „Schau nur Vasall!“, spricht der eine, „Der Teufel lief durch´s Rhabarberfeld! Durch meines noch, ganz obendrein. Dem werden wir wohl mal zeigen müssen, was eine Harke ist. Und dann kann er hier wohlfein wieder Ordnung schaffen damit.“ Auf einmal Feuermolchatem, die Persona non Grata scheint zu erscheinen. Der Furzlord ballt angriffslustig seinen Unmut, Mr. Idiotenschleim wabert standesgemäß hinterdrein. „Den Ort des Verbrechens erneut gesucht? Wie schmählich und anachronistisch.“, denkt wütend der Feldbesitzer. Indes ein kalter Schlag in den Nacken, als aus Rhabarberleichen nur Konrad, altes Eichhörnchen, das stets im Rucksack nistet, springt. Kokolores stammelt er hervor, mit eingeschränktem Rappertoire und viel zu dünner Beatbox: „Ho, Yo, Check sis auut! Kontoauszüge sind wie Unterwäsche, wan, tuu! Man muß immer bedenken, was andere denken, wenn sie sie sehen, srie, fohr! Und dann, sagen wir mal, „Bernds Bumsparadies“ draufsteht! Piies auut!“. Konrad verknotet die dünnen Ärmchen ungekonnt vor der wild wumpernden Brust und lässt den Schweif gelenkig abstehen. Mr. Idiotenschleim denkt: „Ohh Junge, leck mich wund!“ und der Furzlord ergreift beherzt das Wort. „Was wagst du es, erdbeerfarbenes Wiesel, unaufgefordert die Stimme zu stimmen, im Angesicht deines Herrschers! So sprich nun jetzt rechtfertigend los!“. Mutig parliert Konrad zurück, obwohl er ein Grobrhetoriker ist: „Ich bin hier der Rhabarberhirte. Ich mag lange Spaziergänge am Strand und die Kolibrizucht. Ich bin leichtgläubig, ein eleganter Breakdancer und einfach durch glänzende Objekte abzulenken.“ Da wackelt dem Furzlord das Toupet aber mächtig und Stimme und Schreie brechen heraus: „Du bewachst hier meinen Rhabarber und doch ist durch Teufelsfuß alles zerschneist? Nur zuckende Reben ringsum, nur leidende Stengel und Rispen. Benenne Roß und Reiter, leg´ zuverlässig Zeugnis ab, den Finger in die Wunde. Und eile dich, sonst bist du so was von gefeuert, wenn du noch gefeuerter wärest, würdest du brennen!“. „Ach ihro Lordschaft seid´s, jetzt erst rieche ich es auch.“, weiß Konrad zu entgegnen, „Ihr seht ganz recht der Teufel kam und stapfte durch die Hügel. Mein Reim konnt´ ihn nicht halten an, im durch´s Geländ´ gebügel. Furchtlos stellte ich mich gar, in Weg und Schrittes Pfade. Giraffengleich passiert er mich, um´s Kraut war´s wirklich schade.“ Dem Furzlord bleibt die Spucke weg und Mr. Idiotenschleim schaut alldieweil sinnentleert ins Leere. „So wappne und gürte dich Wächterlein, ich blase itzoselbst zur Jagd. Dem Teufel treiben wir´s Trampeln aus, durch meines Reiches Saat.“ Gebrüllt getan und Dolche in Scheiden geschoben. Ein Hallali im Unterholz und Weidmannsgrüße im Trio. Mit Fingerzeig gen Bananenbrotbaum weist der Furzlord die Route. „Nun denn mein Tross, so schreiten wir, zur Verfolgung des Teufels, zu Sieg um Sieg, zu verteidigen das Gute!“ Und sie knispern sich durch´s Unterholz, und sie biegen Grashalme herum. Und sie wackeln kräftig an den Stauden. „Den Teufel bringen wir um!“ |
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02.02.09 |
Das Konvolut und die Resterampe meiner Gedanken aus den Zeiten der Abwesenheit. (1) „Der beste Start für eine langwierige Kommunikation: Erst einmal auf Klo gehen!“ (2) „Er vögelte wirklich alles, was bei „drei“ nicht „vier“ gesagt hatte.“ (3) „Freiheit ist Irrelevanz von Zukunft“ (4) „Gespräch mit meinem Konto: „Was geht denn bei dir schon wieder ab?!“ (Du wirst ja immer dünner!)“ (5) „Wer „raspelkurz“ sagt, gehört geschlagen. Mindestens.“ (6) „Wenn Zigaretten aus Fleisch wären, würde der ein oder andere Vegetarier ganz schön blöd aus der Wäsche gucken.“ (7) „Eint es nicht alle Menschen, sexuelle Autodidakten zu sein?“ (8) „Komplexes sinnvoll eingekürzt. Das Kriegsrecht: Paragraph 1 – Der Stärkere gewinnt!“ (9) „Paradoxes im Sprachgebrauch: Wir sehen uns in alter Frische“ (10) „Man erkennt, dass man noch eine ganze Weile leben wird, wenn man zu schwach zum Einschlafen ist.“ |
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01.02.09 |
Kürzlich erst berichtete ich ja über den frechen Angriff der Spaghettibande auf meine Verköstigungsplanung. Richtiggehend in Rage versetzte mich ihr feiges und beschämendes Verhalten. Wilde Drohungen in allerhand Richtungen wurden ausgestossen, die Schwerkraft selbst sogar mit Sippenhaft bedroht. Dies war jedoch ein großer Fehler, da sich nun herausstellte, dass Übermut wahrlich selten gut tut. Denn trotz der offensichtlichen Unfähigkeit, seitens diverser Alltagsgegenstände, Buchstabenkombinationen zu sinnvollen Gedanken zusammenzufügen, scheint das Küchenpersonal dennoch Wind von meiner Brandrede bekommen und Rache geschworen zu haben. Lange Rede, kurzer Sinn, ich werde es einmal so formulieren: Vier Bier, eine ausgeschaltete Lampe, eine überraschend hohe Teppichkante und ein Teller voller Nudeln in Bolognesesauce sind nicht meine Freunde. Wohl aber die der Teppichschaumfabrik. Und bisher dachte ich immer, auch die Schwerkraft hätte ihren Stolz. Du Blödian! |
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23.01.09 |
Unvermittelt fließt hier auf einmal rötester Lebenssaft. Eben noch lesend und mit schmaler Mine geradeaus geschaut, schon läuft die Nase unorthodox. Nasenbluten, Nasenfluten, Sturzgeburten. Der Kopf hämmernd schon seit Tagen, mal hinten, bald vorne, ansonsten wie er gerne will. Google stellt sich als mittelschlechter Arzt heraus, Papiertaschentücher, als akzeptable Sanitäter. Auf der Zunge wohnt Batteriegeschmack, ist sterben allzu nahe? Jetzt auch noch Blut auf´s T-Shirt, ´ne schöne Sauerei. Wahrscheinlich haben Schmerztabletten auch, das Sprudeln hier verdünnt. Wie Rasierklingen im Nasenhaarwald, haben sie gewütet. Geholzt, Geschnetzelt, Geflossen. Bei Nasenhieb recht erwartet, bei Faustschlag akzeptiert. Doch jetzt, wo nichts, auch irgendner Art, nur halbherzig kam, schon ´ne Überraschung. Der Kopf dröhnt meilenschwer. Die Nase fließt wie Fälle. Auf einmal hilft mir google dann doch ein wenig, es könnte Blutdruck sein. Die Blutung an sich ist vorerst gestoppt, nun können hier Ärzte diagnostizieren. Der Fluß des rötesten Lebenssaftes vorerst gestoppt. |
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22.01.09 |
Mein Herz ist wie ein Sittich fast, und sitzt in seinem Bauer. Mein Herz ist wie ein Sittich fast, fluglos auf der Lauer. Nur haaresdünn die Käfigstreben, dennoch weltbeengend. Nur haaresdünn das Käfigleben, dennoch herzbezwängend. Einsam in des Zwingers Leere, trostlos bald und triste. Und obschon des Zwingers Schwere, am besten Platz man niste. Ein Leben muß hier möglich sein, trotz Stacheldraht und Grenzen. Ein Leben kann hier möglich sein, in Wintersfrost und Lenzen. Dem Vogel hängt ein Spiegel dort, um zweisam zu parlieren. Des Herzens Spiegel, das bist du, zum gleichsam existieren. Sind auch die Gitter grenzenlos, aus Nickel, Cobalt, Stahl. Sind auch die Ketten noch so schwer, du nimmst mir jede Qual. Befreist das Herz aus Eiseshauch, mit federleichter Hand. Gibst Flug zurück und segnest auch, unendlichst den Verstand. Der Knast, der ist noch nicht gefunden, der´s Herz gefangen hält. Auch Federfreund dreht seine Runden, bis Freiheitssamen quellt. Ihm gibt das Sonnenlicht die Kraft, zu schweben einst durchs Leuchten. Ich weiß das du allein es schaffst, ich wart´ mit Augen feuchten. Das Herz es drängt, mit dir zu sein, will tanzen, jauchzen, herzen. Dein Wille schmilzt die Gitter ein, will singen, lachen, scherzen. So leicht versüßt du Ewigkeit, das Warten auf Erlösung. So frei schmeckt die Gefangenschaft, so fern von Tod, Verwesung. Mein Herz ist wie ein Sittich fast, und sitzt in seinem Bauer. Mein Herz ist wie Sittich fast, startklar auf der Lauer. |
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21.01.09 |
Manchmal findet sich Liebe an den ungeahntesten, unwahrscheinlichsten und unwahrscheinlich dreckigen Ecken. Man staunt nämlich, ehrlich gesagt, nicht schlecht, wenn man unvermuteter Dinge durch die Stadt flaniert, die Augen schon voll mit den Merkwürdigen und Belanglosen dieser Welt, und die reine Liebe plötzlich aus dem Nichts hervorspringt. Ein Muttchen schob ihren Ehepartner in einem Rollstuhl durch die Gegend. Ob der klirrenden Kälte waren seine leblosen Beine artig und ordentlich in eine warme Wolldecke gewickelt, sein Kopf durch eine dieser riesigen russischen Pelzmützen mit den Ohrenklappen gewärmt. Mit kraftloser Geste gestikulierte er ihr, sich hinunterzubeugen, und knäckebrotete ihr irgendwas ins Ohr. Sie nickte und streichelte ihm sanft über die Schulter. Daraufhin fingerte sie aus ihrer Tasche seine Zigaretten und ein windfestes Feuerzeug heraus und reichte ihm beides. Sichtlich mühsam entzündete er sich also einen Glimmstengel, das sie nicht dabei half mag wohl daran gelegen haben, dass er darauf bestand es selbst zu tun, um sich nicht so gehandicapt vorzukommen. Nun wird der geneigte Leser denken: „Na und? Zwei alte Menschen, zusammen vielleicht hundertachtzig Jahre alt. Einer schiebt, einer sitzt und raucht. Wo soll denn da jetzt die große Liebe sein?“. Und recht hat man auch, frägt man dem Autor einfach so frech dazwischen, kommt doch der Teil mit der Außergewöhnlichkeit erst jetzt. Nachdem die Lenkerin der Geschicke des Paares, und des Rollstuhls, die Sargnägel nämlich wieder verstaut hatte, zog sie aus der anderen Tasche eine Nivea-Cremedose hervor. „Wie putzig!“, meinte man zu denken, „Nun cremt sie ihm auch noch eine schützende Fettschicht auf die Nase.“. Doch weit gefehlt. Als sie das Behältnis im Folgenden öffnete, entpuppte es sich als inhaltslos. Wiederum strich sie ihm über die Schulter und reichte dem Manne das blecherne Zylinderlein. Er stellte es sich auf den gefühlslosen Schoß, Sex war ja nicht mehr alles, und begann flugs die verbrannten Reste seines Rauchwerks in eben jenes Kästchen abzuaschen. Und erst da wusste ich, dass es Liebe sein musste, hatte sie ihm doch sogar einen transportablen Aschenbecher mitgebracht, damit er es trotz Beinfunktionslosigkeit und bibbernder Kälte etwas heimelich hätte, und im Notfall nicht die zehn Euro für die fingerfertig auf den Boden geschnippte Zigarette würde bezahlen müssen. In solchen raren Momenten lächelt man innerlich, weiß man dann doch, dass die Liebe sich selbst an den ungeahntesten, unwahrscheinlichsten und unwahrscheinlich dreckigen Ecken zu verstecken weiß. |
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19.01.09 |
Noch ist das Jahr so jung, die hellen Stunden leicht zu zählen. Die Tage sind besäumt von langer, tiefer, kalter Nacht, in die man entschlummert, aus der man mürrisch erwacht. Selbst der Mondschein wirkt noch schwachbrüstig, ja schläfrig gar, weiß kaum die Finsternis zu penetrieren. In deinen Augen doch, schwant mir schon Sonnenaufgang. Auberginefarben und verheißungsvoll. Deine süßen Tränen, sind wie Tau, der Dämmerung benetzt. Atem seicht wie Seidenpapier, gleicht milden, lohenden Frühlingswinden. Ich muß dich fassen, dich umarmen. Du legst den Kopf verliebt auf meine Schulter und sprichst so sanft und makellos und klug zugleich. Weiß zerzeichnen sich schon die Konturen der ewigen Nacht. Wir wiegen uns fast tanzend durch das anschwellende Morgengrauen, kraftvoll, dennoch federleicht, nimmt mir dein Körper jede Bewegung vorweg. Du machst den Neubeginn so greifbar, man sieht es, schmeckt es, spürt es schon. Das Keimen bahnt sich an und bald folgt das Blühen. Die Wandlung ist bloße Wiedergeburt. Und du kleidest sie in puren Glanz, spiegelst sie in deiner Seele, lässt sie durch deine Worte schweben. Das alte Neue besteigt den Thron des Sieges, weil deine sichere Hand es die Stufen empor geleitet. Und die hellen Stunden wachsen. Und die kalte Nacht zerschmilzt. Und du leuchtest und schmerzt und du machst so unendlich frei, voller Glück. Du bist wie Vanillepudding auf der Nasenspitze. So süß und so unerreichbar. |
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18.01.09 |
Nur mal eine kurze Nachricht an die zwohundertfünfzig Gramm Spaghetti, welche sich zuerst standhaft weigerten in der Packung klein gebrochen zu werden, nur um daraufhin eine verwegene Kunstflugshow über Herd und Küchenboden abzuliefern. Ich hasse euch. Ich verfluche eure Ahnen und Nachkommen. Ich verachte jedes Milligramm Hartweizengrieß aus dem ihr gedrechselt wurdet. Zwar konnte ein Großteil von euch Saubaggage seiner gerechten Strafe durch viel zu langes Anti-al-dente-Kochen nicht entgegen, doch meine Wut ist unsterblich und richtet sich auch gegen jene von euch, die sich geschickt durch den Mülleimer vor mir retten konnten. Seid gewarnt und lebt in ständiger unendlicher Furcht. Ich werde euch nieder zu ringen wissen. Abraumhalden und Aborte werden mit euren zitternden Leichen gefüllt werden. Bekleidet euch mit Dunkelheit, denn ich werde euch ans Licht bringen. Ihr werdet euch nach der süßen, süßen Erlösung des ewigen Schlafes sehnen, wenn ich mit euch fertig bin. Folter und Verderbnis weit jenseits von Guantanamo erwarten euch. Euer jetzt noch so hämisches Gelächter wird untergehen, wie ein Pfurz in einer Sandhose. „Haha, auf Kies gepfurzt!“ werde einzig ich jubilieren. Ich werde euch so was von zusammenfalten, dass man euch erstmal zu Konzentrat verdünnen muß. Euch so was von in den Arsch treten, dass ihr erst 1723 wieder zu Bewusstsein kommt und das dann knapp alle dreihundert Jahre wiederholen. Ich hasse euch und die Rache wird mein sein. Und, ach so, Schwerkraft, ich weiß, dass du deine Finger da auch im Spiel hattest, aber wir sprechen uns ein anderes Mal. |
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17.01.09 |
Eigentlich hatte ich ja schon eine super Idee über welches Thema heute zu berichten wäre. In meinem Kopf waren die ersten Sätze schon ausformuliert und –gefeilt und ein feingeistiger Wortwitz hatte sich zwischen die Schenkelklopfer geschlichen. Zu meinem Verdruß jedoch, bin ich bisweilen nicht in der Lage meinen Kaffeekonsum zu dosieren, eine Problematik die liquide Substanzen im Allgemeinen zu betreffen scheint, und habe wohl gerade die Grenze zwischen erhöhtem Grad an Wachheit und beginnender Konzentrationsschwäche erreicht. Auch die Notizen sind keine große Hilfe, da sie oft kürzer als ein kleiner Schnaps sind und erst einmal neu durchdacht werden wollen. Rundum: Ich habe keine Ahnung mehr, um was es hier jetzt gehen sollte, bin aber inzwischen zu unkonzentriert, um mir etwas vollkommen Neues auszudenken. Daher habe ich einfach einmal die Top-3 der möglichen Notizen herausgesucht und versucht in ein paar Sätzen zu ergründen, für welchen Gedankenfluß diese kurzen Stichpunkte stehen. (1) „Licht: Der Freund des Suchenden!“ Wahrscheinlich bin ich nachts aufgewacht und wollte irgendetwas tun, was aufschreiben, was verdauen, eine Choreographie lernen, oder so, konnte die geplante Aktivität aber nicht ausüben, da ich im Dunklen nicht in der Lage war meine Brille zu erspähen. Den Prozess der Suche vereinfachend, habe ich deshalb wohl nach dem Lichtschalter getastet, behelfs seiner schaltplangemäßen Aufgabe die Glühbirne, im Übrigen ein Original und nicht dieser Energiesparkillefitz, zum Emporlodern gebracht und somit Licht erschaffen. Brille gefunden, Ablauf notiert, Tätigkeit vollzogen. (2) „Speck im Würstchenmantel“ Wahrscheinlich hatte ich einfach Hunger und wollte mal in einem Anflug von kulinarischer Kriegsbereitschaft etwas neues ausprobieren. Hört sich trotzdem irgendwie interessant an. (3) „Du warst halt keine Venuswespenfalle!“ Wahrscheinlich wäre mir gar nicht mehr eingefallen, was diese fünf Worte meinten, hatte ich sie doch ohne jeden Zusammenhang dahingeschludert. Eifriges Nachsinnen brachte mich jedoch darauf, dass ich vor einiger Zeit mal für einen schmalen Taler im Baumarkt eine fleischfressende Pflanze erstanden hatte. Vornehmlich geschah diese Anschaffung wohl aus Prestigegründen, schließlich hat nicht jeder ein solches Gewächs, welches Flora und Fauna auf solch unbeeindruckte, dennoch beeindruckende, Weise vereint. Nachdem ich nun also eine Weile den Schnappmechanismus der klebrigen, maulförmigen Blätter mittels eines Zahnstochers getestet hatte, entschied ich, dass die Pflanze nun, außer Wasser, auch mal eine handfeste Mahlzeit verdient hätte. Auf sich allein gestellt schien sie nicht in der Lage sich mit tierischem Protein zu versorgen und ich sorgte mich allmählich um ihren Gesundheitszustand, auch wenn rein äußerlich alles äußerst ordentlich schien. Da die Fliegenpopulation in meinem Einzugsbereich quasi nicht vorhanden war, wenn man mal eine brauchte war keine da, entschied ich mich eine soeben erlegte Wespe, sie war durch meine artenspezifische Überlegenheit ums Leben gekommen, bevor sie mich vergiften konnte, zu verfüttern. Eben angesprochenes Gift war dann wohl auch das Problem. Artig fraß die Venusfliegenfalle zwar das Insekt, schien aber in der Folge physisch immer weiter abzubauen. Als es schlussendlich schon zu spät war, öffnete ich zwar in einem Akt der Verzweiflung das gierige Blättermaul mit sanfter Gewalt und entnahm das Exoskelett der Wespe, doch aus und vorbei. Und vielleicht hatte ich mich vor meinem überdosierten Kaffee wirklich dazu entschlossen davon einfach mal zu berichten. |
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15.01.09 |
Aarghh! Man muß ja nicht unbedingt ein Lieblingsbuch haben, um als intelligent durchzugehen, aber helfen könnte es irgendwie schon. Selbst wenn dieser literarische Favorit nur die grundlegendsten Kenntnisse der deutschen Grammatik offenbaren würde. Ich muß zugeben, dass in meiner, mit voller Absicht gewählten, Kleinstadtwelt Übergriffe und Abziehaktionen selten bis gar nicht vorkommen, dennoch sehe ich mich nicht imstande die Motivation dieser kriminell übermotivierten Jugendlichen, beiderlei Geschlechts, nachzuvollziehen. Selbst wenn man, leicht verblendet durch „Bild“-Schlagzeilen, annehmen möchte, dass irgendeiner Art gestalte Nationalität eine Rolle spielen würde, sie tut es nicht. Mitteleuropäer und Osteuropäer und Randeuropäer sprechen in dem gleichen, nicht nachvollziehbaren Jugendslang voller „Opfer“ und „Nichtklarkommer“ und „Angucker“. Als Antwort, nicht nur für diese Spitze des Eisberges, der Ungeduldeten, sind Schläge vorgesehen. Manchmal auch Raub. Manchmal auch Schlimmeres. Bildungsferne Schicht höre ich die „Süddeutsche“ rufen. Migranten sagt die „Welt“. Aber warum sind die denn wirklich so dumm, dass sie nicht merken, dass sie dumm sind? Wie erwähnt, spreche ich hier nicht von Shakespeare-Analysen oder ähnlichem, sondern einfach nur von gesundem Menschenverstand. Sozusagen GG-geregelter allgemeiner Übereinkunft. Du machst dein Ding und stresst mich damit nicht, und dafür lässt du mich mein Ding machen. As simple as that. Dieser Grundsatz fußt natürlich auf der Ansicht, dass nicht jeder, sogar weibliche Gesellschaftsteilnehmer, den größten Schwanz haben will. Und was bringt dir der größte Schwanz schon? Was bringt dir der größte Schwanz im Knast? Außer viele neue Freunde? Unwillkommenerweise. Meistens mag ich dieses Land, weil hier alles überreguliert ist. Ich muß annehmen, dass es hier die meisten Verkehrsschilder, aber auch die wenigsten Verkehrstoten gibt. Ich muß vermuten, dass hierzulande die wenigsten Menschen an Nahrungsmittelvergiftungen sterben, weil so überproportional kontrolliert wird. Ich muß denken, dass ich immer Elektrizität und Heizwärme zur Verfügung gestellt bekomme, solange ich die schmalen Rechnungen begleiche. Warum also, lässt sich diese Sicherheit nicht auch auf unser Zusammenleben übertragen und uns gegenseitig mit Achtung begegnen. Wahrscheinlich wäre das dann doch zu intelligent und damit nicht wirklich cool. Aber man muß nicht wirklich ein Lieblingsbuch haben, um intelligent und damit erst recht cool zu sein. Gesunder Menschenverstand reicht für´s Erste aus. |
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14.01.09 |
Ab und zu würde ich mich selbst als Kurzschläfer bezeichnen, will heißen, ich bin immer kurz vor dem Einschlafen. Ich liebe es nämlich, dieses quecksilbrige Widerspiel von scharfer Realität und dunstigem Traum. Erst in diesem Zustand des Halbbewusstseins kann man wieder in die Gedankenwelt seiner Kindheitstage eintauchen und all die Bildung und Sozialisation, die Vorurteile und gefestigten Meinungen vergessen. Man sieht die Welt ohne Konnotationen, wenn die Grenzen zwischen Vernunft und Verwegenheit verschwimmen. Nur dieser Zustand gereicht einem, um zu verstehen, warum der Kartoffelsack für neunundfünfzig Cent mit „Erdäpfel für Gourmets“ beschriftet ist. Nur während dieser wässrigen Phase weiß man zu erkennen, wie viel fauler Zauber darin steckt das Tomatenmark aus den Minimalkonserven zu flexen. Nur im Zwielicht dieser Zwischenwelt kann man so unendliche Schönheit entdecken, dass selbst der Tod seinen Schrecken zu verlieren scheint. Einzig während dieser Episoden zwischen Geistesgegenwart und –lähmung begreift man wie viel 19. Jahrhundert in glühenden Telefonleitungen, Stichwort Glasfaser, und Mondraketen, Stichwort International Space Station, steckt. Einzig hier treffen sich Partyhengste und Partylöwen ohne einander zu jagen. Einzig dann achtet man auf den Eichstrich wenn man die Flinte in den Korn wirft, damit das blinde Huhn auch noch daraus trinken kann. Nur im Halbdunkel des Halbschlafes kann man so hoffnungsschwanger sein, dass es Zwillinge werden könnten. Nur zu jener kurzen Zeit schmeckt man den salzigen Seewind, welcher in die Wortkargheit des eigenen Geistesgutes schneidet. Nur in diesem Intervall, zwischen Schlummern und Schlafen, steckt das Remmidemmi, das Tohubawohu, die Melodie der Realität. Und diese riecht nun mal nicht immer nach Magheriten, Astern oder Stiefmütterchen, sondern viel mehr nach Licht und Wind und Regenbögen und Einhörnern und kleinen Sonnen und großen Zwergen und lila Wasser und schwarzem Eis und giftigen Erdbeeren und singenden Fliegenpilzen und tanzenden Hunden und fliegenden Pinguinen. Ich weiß natürlich, dass ich des Öfteren, relativ euphorisch, über das Dahingleiten zwischen den Bewußtseinsebenen zu berichten weiß, dennoch ist dieses Gefühl der Hochstimmung keineswegs übertrieben. Treibt es doch die Phantasie in völlig neue, sowie bisweilen abartige Sphären, die erotischen Episoden lasse ich bewusst aus, und ermöglicht mir Sachverhalte aus abstrusen Blickwinkeln zu sehen. Daher bin ich häufig geradezu froh manchmal ein Kurzschläfer zu sein, welcher immer kurz vorm Einschlafen steht. |
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13.01.09 |
Da bin ich doch wirklich mal wieder von meinem eigenen Gelächter aufgewacht. Hatte ich mich doch im Traum, in einer Runde gleichermaßen bekannter und zerfließender Gesichter, auf den einzig freien Stuhl im Raume gesetzt. Aus rotem Holz war das Sitzmöbel, die Lehne aus drei verdrehten Zylindern und einem intarsienreichen Kopfstück gedrechselt. Ein Gespräch entspann sich, ein angeregtes Geplauder vielmehr, von dem ich einzig noch zu sagen weiß, dass es recht amüsant und kurzweilig war. An der entfernten Seite des Raumes öffnete sich auf einmal eine braune Pressholztür und ein mir irgendwie unterbewusst bekannter Charakter trat ein. Mißmutig blickte er sich zuerst um, und dann mich an. Zielstrebig schritt er in meine Richtung, seine Augen loderten wütend, und sprach mich an. „Hey! Warum sitzt du denn da? Weg da, das ist mein Stuhl, hier habe ich schon früher immer gesessen!“. Verwundert blickte ich ihn an und wusste einzig zu entgegnen: „Na und? Früher warst du auch einmal ein Baby und willst du dich deswegen jetzt wieder vollscheißen? Du Piesepampel!“. Hinter „Verdattert“ schon zwei mal links abgebogen, guckte er mich an und eben dieser Gesichtsausdruck brachte mich derart zum losprusten, dass mein unterbewusstes Traum-Ich damit das bewusste „Meine Fresse, wer lacht denn hier morgens um halb viere so laut rum, dass man nicht mehr weiterschlafen kann, verdammte Scheiße“-Ich aufweckte. Eilends notierte ich die letzten Eindrücke aus Somnus´ Reich, nur jedoch um mich auf das Rascheste wieder dorthin zurück zu begeben. |
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12.01.09 |
Mittlerweile dürfte bekannt sein, daß das Leben natürlich keine Chihuahuazucht ist. Es kann schon mal vorkommen, dass man mit dem Rücken zur Wand steht, das Haus am Abfackeln ist und gleichzeitig der Gerichtsvollzieher klingelt. Es kann schon mal passieren, dass sich eine Fundgrube als bloßes Plumpsklo herausstellt. Dennoch und gerade dann darf man den Mut nicht fahren lassen, muß lächelnd dem Verderben ins Angesicht strahlen. Wie ein Fisch im Wasser sollte man sich in seinem Element fühlen und die wunderbaren Kleinigkeiten beachten, welche den Straßenrand zur eigentlichen Attraktion machen. Das Salamigurkenbrot mit einem Zitronenbonbon als Nachtisch. Ich lächele. Sich fühlen wie ein Superheld ohne Kräfte und Motivation mit der Spezialattacke „Sand in die Augen streuen“. Ich lächele. Eine Koffeintablettenüberdosis mit Hautrötung und Pusteln. Ich lächele. Ein Vogelschwarm schreibt Spiralen in den Himmel. Ich lächele. Thunfisch, Kuh des Meeres, durch Selbstzucht noch so günstig. Ich lächele. Relativ komfortabel lässt sich jeder Tag mit einem achtstelligen Zahlencode bestimmen. Ich lächele. Lieber in der Kaiserin, als Imperator. Ich lache. Das fordernde Große kann ohne das fördernde Kleine nicht bestehen. Die Leiter ist nichts ohne ihre Sprossen. Im Unscheinbaren, scheinbar unwichtigen, dieser Welt liegt das Lachen, die Labsal, die Erquickung verborgen. Altersschwachsinn, doch chemische Brüste. Ich lächele. Trotz Belang-Los nur Niete gezogen. Ich lächele. Nach „Moppel-Ich“ jetzt ganz neu „Däml-Ich“. Ich lächele. Sich so schön fühlen, dass man selbst eine Klobürste erotisch aussehen lässt. Ich lächele. Einfach mal bestellen: Ein Mac-Gyver-Menü. Ich lächele. Ein Eichelhäher knuspert sich durchs Unterholz. Ich lächele. Sex ist wie Spinat. Wenn man als Kind gezwungen wird ihn zu konsumieren, kann man ihn als Erwachsener nicht mehr genießen. Ich lache. Uns schon fegt die Kraft der Fröhlichkeit, wie ein sowohl reinigender als auch genozidärer Tsunami durch die Täler der Traurigkeit und aus wenigen heiteren Sekunden des Lächelns wird rasch ein munteres, sonniges Herz. Manchmal, aber nur manchmal, überlegt man dann, in diesen Momenten der Glückseligkeit, vielleicht eine Chihuahuazucht zu eröffnen und zum Mittelpunkt des Lebens zu machen. |
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11.01.09 |
Als sich ihre Blicke trafen, frohlockten seine Hormone und der Geifer floß. Ihr Östrogen schien hingegen Treppenwoche zu haben und fegte abwesend die Stufen des Hinterstübchens. Egal wie er dann auch versuchte sie anzumachen, mit vielschichtigen Wortakrobatiken und magnetischen Blicken, heute war, Scheidenkleister, nichts zu machen. „Wir sind doch eine fleischgewordene Win-Win-Situation!“ versuchte er sie zu becircen und ihr die Schamesröte in die Scham zu treiben. Rasch erkannte sie jedoch, dass von seinen, hochgegriffen, ein Meter und sechzig, etwa zwei Drittel nur aus Bier bestanden und selbst Amy Crackhouse daneben noch eine passable Figur abgegeben hätte. Leichthändig negierte sie seine Offerte von daher auch, nicht jedoch ohne ihm vorher die Konsultation mit einem wirklich, wirklich guten Nervenarzt anheimzustellen. Sein Hirn sei wunderbarst in Schuß gab er zu bedenken. „Kopfschuß allenfalls“, schlagkräftigte sie zurück. Den Schädel voller Hormone und Ethanol war er hingegen etwas zäh im Spontanität verwalten und zögerte sich nur gemählich eine Antwort aus der Nase. „Deiner Zähne Zierrat scheint so schön changierend, so silbrig salutierend.“, sprachs auf ihre Spange spannend. „Selbst scharfkantiges Schwermetall scheut sich deine Schönheit zu bezäunen.“, seierte er ziellos weiter. Ein magensaurer gelber Ekel stieg in ihr auf, auch wenn sie im Allgemeinen Alliterationen anheimelnd honorierte. Doch heute gab es Bierdunst und fettiges Haar- und Sprachkleid dazu, kein Grund also den Körperkeller zu fluten. „So sprichst du mit mir du Haderlump, gemeiner? Ganz ungeduscht und unrasiert, ganz ungeputzt und unfrisiert! Dein betrunkener Atem riecht nach Krankheit, nach Kadaver, nach Karkasse, nach einem Kandelaber der Krankheiten! Ohnehin obstruierst du mein Occularium mit ohrenlähmender Geistlosigkeit. Schwinde hin und schnellen Schrittes, ansonsten gibt´s hier gleich Eiersalat!“ Sie ballte ihr linkes Knie zur Faust und schob es in Richtung seines Gemächts. Trotz schwimmender Sinne verstand er in den Wink mit der Patella und hub an abzuheben. Ein verächtliches: „Dein Verlust…“, ließ er ihr aber noch da, daran würde sie wohl noch eine ganze Weile zu knabbern haben, griente er sich in den Kinnflaum, und stieb siegesbewusst von dannen, als er auch schon meinte die Blicke der Nächsten getroffen zu haben und die Hormone wiederum wallten. |
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10.01.09 |
Sprunghaft, wie ein Kitz in der Mauser fast, neigt das Sonnenlicht dem schneebedeckten Boden seine Huld zu. Kaskadenreich reflektiert die Eisdecke den Schein, als hätte sie nie etwas anderes vorgehabt. Regenbogenluft zwitschert nur wenige Zentimeter über dem Pflaster dahin und zwiebelrote Sperber durchschneiden sie im Sturzflug. Ein zimtenes Feldgeschrei verstreut sich in den Frost des Morgens, ein jeder sucht Krümmchen zu erhaschen. Knarzende Kinderschritte tanzen auf kristallinem Wasser. Die kleinen Hände ganz rotgefroren vom Schnee zu Bällen ballen. Dennoch Lachen und Geplänkel, Frohmut und Getändel. Kalte Körper, doch wärmste Gemüter. Die alten Herren indes werfen Sand auf blitzendes Nass. Er schmirgelt und färbt und putscht gegen´s Rutschen. Die alten Damen freut es. Der Mahagonistock mit Gummifuß kann endlich wieder Fuß fassen. Die Automobile gleiten noch leicht, hier sind andere zuständig. Minusgrade umhüllen die Zunge und machen den Geschmack des Windes irgendwie fahl. Da ist man von Fürst Pückler in diesem Aggregatzustandsbereich weitaus besseres gewohnt. Kirschlikörne Erdbeernasen werden wohlfein zur Schau getragen und adrett und bisweilen nobel von zitternden Ohrenlappen flankiert. Dem facettenreichen Sonnenlicht ist einzig Braunglas gewachsen, welches absorbierend den Thron des Gesichtes besetzt. Und ringsum weiß und Reflektion. Und reihum Schnee und Gestöber. |
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09.01.09 |
Schon des Öfteren habe ich mich ja im Rahmen dieser Einlassungen als Hypochonder und Psychosomat geoutet. Wie ein Jongleur habe ich immer einen Schritt voraus gedacht, wenn auch nur das leiseste Ziehen in der Leiste, das unmerklichste Brennen in den Augen oder die sanfteste Konvulsion im Oberarm zu spüren war. Ein wacher, weiter Geist stromert nun einmal gern durch die angeschlossenen Körperregionen und registriert selbst kleinste Unzulänglichkeiten. In Quartalsfrist ein einziges Mal schief geniest und schon scheint der Gehirntumor zu lauern. Meine bisweilen auch recht offen zur Schau getragene Affinität für die Behandlerserie „Dr. House“ beziehungsweise „House M.D.“ war der vorgenannten Tatsachenabteilung auch eher zu- als abträglich. „Morbus Katzenklo“ oder „Lupus Giraffenbiss“ oder auch „Genetische Stammzellenverätzung“ wird dort anfangs und meist unzutreffend oft diagnostiziert. Und wenn man es genau nimmt, hatte ich das selbst auch schon alles. Zumindest kurz und in meinen Gedanken. Nahtoderfahrung, Herzstillstand und mittleren Schlaganfall mit Lähmungserscheinungen unten links inklusive. Nun scheint sich mir aber ein wichtiger, und bisher übersehener, medizinischer Fakt zu demaskieren. Es mutet relativ sicher an anzunehmen, dass eine Krankheit erst ernst zunehmen ist, wenn ihr Name das Wort „Syndrom“ enthält. So was hatte ich aber noch nicht. Bis jetzt. Zumindest. Von daher werde ich wohl doch wie geplant genau einhundert Jahre alt. Hypochondrie und Psychosomatismus hin oder her. |
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08.01.09 |
Manchmal weiß man ja gar nicht mehr, wem man noch glauben soll. Hat es nämlich schon zwölf geschlagen und all die Professoren und Doktoren und anderweitig breitgefächert gebildeten Freunde geruhen schon zu nächtigen, muß man seine Informationen wohl oder übel aus dem Fernsehapparat beziehen, da das Internet kontraproduktiv zum Liegen und der allgemeinen nächtlichen Tendenz zum Faulenzen arbeitet. Nun schaltet man also so hin und so her. Der eine Kanal bietet Videos von Pornodarstellerinnen als Handydownload an, der nächste hat gleich die passenden Telefone mit gaaanz günstigen Verträgen, wobei die Peripherie stets den Präfix Design erhält, seit es vor einigen Jahren mal ein „Dolce & Gabbana“ Designhandy gab, auch wenn es sich heute nur um ein eher durchschnittliches Motorolagerät handelt. Ein anderer Sender bietet trickreiche Maschinen zur Gewichtsreduktion und Erlangung, Bilder lügen nicht, übermenschlicher Bauchmuskeln an. Ich komme ins Grübeln. Vielleicht sollte ich dort wirklich mal anrufen bei diesen „SuperShaper“ oder wie auch immer Menschen. Auf einen wie mich haben die doch gerade noch gewartet, nämlich als Model für ihre „Vorher“-Fotos, unter Umständen ließe sich da ja der ein oder andere Euro fuffzig abgreifen. In Gedanken noch von der JetSet-Welt der „Vorher“-Models, mit all ihren Reisen, ihrem Kokain und der Abwesenheit von „Nachher“-Mannequins, umnachtet, flitzen die Phalangen eifrig über die Fernbedienung und offenbaren ungewollt den eigentlichen Skandal dieser Nacht. Pro7 lässt einen Sprecher mit markig qualmiger Stimme für irgendeine Sendung mit dem Slogan „Geschichte wird mit Blut geschrieben!“ werben, während RTL2 wohl des Sprechers Kette rauchenden Bruder mit „Geschichte wird von Gewinnern geschrieben!“ kontern lässt. Nun bin ich verwirrt. Einzeln sind ja beide Aussagen von mir aus durchaus richtig, aber nur ein kurzes Zappingintervall voneinander entfernt? Ich sann nach, ich grübelte, ich verfing mich im perfiden Marketinggeflecht der Quotenfolterknechte. Schlußendlich einigten sich mein lächelnder Verstand und die Uhrzeit dann aber auf die elementaren Punkte, dass Erstens: Die Gewinner die Geschichte höchstwahrscheinlich mit dem Blut der Verlierer schreiben, dass Zweitens: Schreiben zu können im Allgemeinen von Vorteil ist und weiter verbreitet sein sollte, jetzt auch global und so, und das Drittens: Die Zeit gekommen war den Fernsehapparat auszuschalten und in den weiten dunklen Tiefen der Nacht und den darin verborgenen schillernden Traumwelten nach eigenen unumstößlichen Wahrheiten zu suchen, in der schwitzigen Hand noch immer den Zettel mit der Telefonnummer der „SuperShaper“-Menschen. |
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07.01.09 |
Die aktuelle Ortszeit ist kurz davor die 9 Uhr-Marke zu passieren, da beträgt die Aussentemperatur noch oder schon oder immer noch 9,7 Grad Celsius im negativen Bereich. I believe my pig whistles! Auch wenn eben jenem Säuger dann wohl zur Zeit die Zunge an der Steckdosennase festfrieren würde. Der Erfahrung rechtgebender Weise pfeifen natürlich nicht nur mein Schwein und ein frostiges Lüftchen durch das Gebälk, nein, auch auf den Straßen sieht es aus wie bei Hempels hinterm Klo. Überall weißer Schnee und grauer Schnee und brauner Schnee und gelber Schnee. Kein Wunder, dass die Inuid wasweißichwieviele hundert Worte für diese Niederschlagsform haben sollen. Dazwischen immer hübsch unsichtbar ein- und ungestreute Eisflächen, nicht das „Upps – die Superpannenshow“ wegen Mangel an Zuschauereinsendungen eingestellt werden muß. Vor Wochenfrist dachte man ja noch: „ Scheiß drauf!“ beziehungsweise „Kalt? Schmalt!“, aber da waren die Sinne ja auch durch diese unberuhigend attraktive Kombination von Alkoholika und Sprengstoffen vernebelt. Die Sinne waren zum wolkenlosen und explosionsreichen Himmel gerichtet und konnten mit einem Handstreich das, sich um das Schuhwerk abspielende, Gefriergestöber ad acta legen. Aber jetzt muß es doch balde mal wieder gut sein, mit dem arschkalt sein. Schließlich steht die Krokusernte bevor und allzu lange wird Gevatter Sperling sich wohl auch nicht mehr von Schwarzpulverresten aus körperlich nur eingeschränkt funktionsfähigen D-Böllern ernähren können. Und so nenne ich es von mir aus dann auch Klimawandel anstelle von globaler Erwärmung, aber hiermit fordere ich einen Temperaturanstieg. Jedoch nicht übertreiben. |
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29.12.08 |
Ab und zu hört man ganz tief in sich hinein. Man versucht den Kern der eigenen Existenz zu ergründen, den Ausgangspunkt zu finden. Links wird geschaut und unten, rechts wird gesucht und oben. Schlußendlich reift die Erkenntnis, was der eigentliche Ursprung des Daseins ist. Man ruft freudestrahlend „Danke!“ in sein Innerstes. „Danke, dass du es von all den Milliarden Spermien geschafft hast durchzukommen.“ Nur durch dieses kleine geißelbewährte Schwimmerlein, kann und muß ich so sein, wie ich nun einmal bin. Zwar hat er eigentlich nur die Hälfte der Arbeit erledigt, aber dennoch das ausschlaggebende Y-Chromosom mitgebracht. Nur dadurch ist die Wut in meinem Kopf und der Schwachsinn und die Wollust. Nur deshalb strahlen hier Regenbögen aus Zuckerwatte und blutbenetzte Speerspitzen und zuckende Frauenlaiber. Nur deswegen reiht sich das Unfassbare an das Unglaubliche, an welchem wiederum die Unvernunft lehnt. Da dringen Schwafelschwallgeschwader durchs psychologische Unterholz. Da ist der Hafen der Glückseligkeit von Kaimauern aus zertrümmerten Träumen umgeben. Da tanzt das Triumvirat der Schwachsinnigkeiten. Da sieht man in sein Inneres und die Augen klatschen in die Hände. Wilde Farben allen Alters wohnen hier. Wohlgeruch und Nervengas schwirren umeinander. Symphonisch gleitet Missgesang durch weite Sperrholzhallen. Die Fenster schmecken nach Diamanten, der Boden wie frisch gewischt. Die Wände sind strukturtapeziert mit Schokolinsen und Kompost. Ein Adergeflecht aus Ideen, Erfahrungen und Zufällen durchzieht alles. Es reicht vom Zipfel des längsten Zehennagels bis zum Stammhirn, der Zentrale der Instinkte. Die Gedanken hangeln sich an diesem Geflecht durch mich und bestaunen die Räumlichkeiten. Mal sehen sie schönes, mal wird es abstrus, bisweilen gar verwerflich. Doch immer schulden sie dem Gründungsvater dank, welcher damals das Y mitbrachte und somit den Keim meiner Existenz pflanzte, die es, in seinem Andenken und Beispiel, zu ergründen gilt. |
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28.12.08 |
Da sich das aktuelle Kalendarium einem vorläufigen Ende zuneigt und man ja irgendwie immer noch auf Besserung für das Nächste hofft, will ich eine Sache in meine Tasten tippen, welche mir schon seit geraumer Zeit die Petersilie verhagelt und die ich einmal zum allgemeinen Nachgrübeln freigeben kann. Wir befinden uns in der Ausgangssituation einer beliebigen musikalischen Darbietung mit Fernsehübertragung. Irgendeiner tiriliert sein Interpretationsobjekt in die Runde, einige andere zupfen oder pusten oder streichen an ihren Klangkörpern herum, vielleicht pirouettieren im Hintergrund sogar noch ein paar zu eng Bekleidete umeinander. So weit, so geht es mir am Arsch vorbei. Wäre da nicht das schmerzhafteste und unsinnigste Element der Sendung, das Livepublikum. Mal davon abgesehen, dass diese Menschen sich die Mühe gemacht haben, irgendwo hinzufahren, um irgendeinen Kasper irgendeinen Quatsch nicht machen zu sehen, weil ihr Blickwinkel mit Kameraleuten und Kabelhilfen verstellt ist und sie schlussendlich doch nur auf Monitore schauen, die viel kleiner als der heimische Fernseher sind. Diese Idioten zerklatschen und zerschunkeln jeden Vortrag, und das sogar noch ohne jedes musikalische Verständnis, geschweige Taktgefühl. Sinnfrei wird an noch sinnfreieren Stellen das Händepaar zusammengeschlagen, und alle machen mit. Es passt nicht zur Musik, es ist bar jeden vorgegebenen Taktes, man schunkelt und beifallt um sein Leben. „Nummerier´ schon mal deine Knochen, Karl-Heinz Kläpjurhänz. Gleich gibt´s ein besonderes Trommelsolo!“ möchte man ihnen zurufen. „Ich prügele dir gleich die Farbe aus der Perücke, Erna Nichernstzunehm“ will man schalmeien. „Dir brennt wohl der Kittel, Klaus Kommaklar. Hier gibt´s gleich ´nen Faustkampf, da kannste schon mal den Gips anrühren!“ muß man fast brüllen. Bringen bringt es leider nichts, man bleibt ja ungehört. Die wahnsinnigen Handflächenhassadeure in Mainz oder Köln oder Woweißich, und meine Wenigkeit vor dem flackernden Gerät mit steigendem Blutdruck. Und natürlich besteht auch im nächsten Jahr keinerlei Aussicht auf Besserung. Also bleibt nur zu hoffen. Oder das Beil zu schärfen und allen Mitapllautanten die Hände abzuschlagen. Demnach, Hände stillhalten, sonst klatscht es gleich, aber keinen Beifall. | |
27.12.08 |
Da die vergangenen Tage ja geradezu dazu prädestiniert waren sich mit Ernährungsprodukten aller Coleur auseinanderzusetzen, möchte ich kurz drei hauptsächliche Gedanken schildern, welche ich fernab von Festtagsbraten und Rotweinsoße hatte. (1) Allmählich reicht es mir mit diesen Fernsehjournaillien. „Überrascht haben wir festgestellt, dass man ganz schön abnehmen kann, wenn man einfach nur Schokolade isst!“. Dass man genauso schön durch Mangelernährung abnehmen kann, wenn man nur Tannenzapfen, Affenkot oder einfach mal gar nichts isst, hat natürlich mal wieder keiner herausgefunden. (2) Note to self: „Zartes Hähnchenbrustfilet, gepökelt, gegart, gegrillt und fein mit Kräutern der Provence gewürzt. Nach original dänischer Rezeptur“ sieht jedes Mal in der Verpackung viel leckerer aus, als die Papillen es nachher zu schmecken bekommen. Nicht mehr kaufen. (3) Pünktlich zur Weihnachtszeit war er wieder da. Fast ein Jahr hatten wir doch alle die Vorfreude kaum noch aushalten können. Zittrige Hände und klapprige Herzschläge allerorten. Doch endlich war es soweit. Endlich konnte man sich wieder einen schwarzen Plastikeimer mit (mindestens) sieben Kilogramm Orangen befüllen und beides zusammen dann für nur 3,99 € erstehen. Ein Knallerpreis und jeden Advent wieder ein Kracher. Einzig man benötigt wohl bald mehr Wischfläche, wo sich die Putzeimer doch mittlerweile stapeln. | |
26.12.08 |
Etwas zu Entdecken ist ein aktiver Prozess. Man muß dazu einen Berg erklimmen oder eine Rakete besteigen oder einfach monatelang in eine Richtung segeln. Deshalb haben die Spanier faktisch auch die Mayas entdeckt und nicht andersherum. Woraufhin die Mayas ihrerseits Syphilis und Schnaps entdeckten. Die Erkenntnis beziehungsweise die Idee ist dagegen ein eher passiver Vorgang. Sie kommt von allein, der Inspirierte muß nicht viel mehr tun als herum zu sitzen. Man starrt voll Wut gar Mordeslust in die Steppe, hört es rascheln und das Klapperschlangengewehr, jene tödliche Kombination aus Gift und Durchschlagskraft, ist erfunden. Entdecken fordert Muskelschmalz und Wagemut. Erkennen braucht Hirnschmalz und Wahnsinn. Finden bedingt suchen. Erfinden ist diagonales Denken. Genauso schreibt es sich auch unterschiedlich. Entweder reiht man handwerklich gut Worte aneinander und entdeckt ihre Inhalte, oder man kritzelt kreuz und quer sinnloses nebeneinander, bis einem das verbindende Element mit einem Spagat ins Gesicht oder vielmehr Hirn springt. Wer nur aktiv zu entdecken sucht, der zehrt sich früher oder später etwas. Wer nur passiv auf Ideen wartet, zehrt sich wahrscheinlich nie irgendwas. Und das ist irgendwie auch langweilig. |
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25.12.08 |
Wenn man am Morgen nach einem Gelage aufwacht, kann es eigentlich nur zwei mögliche Gedanken geben. Erstens: „Ich will nie wieder einem Gelage beiwohnen!“, oder zweitens: „Ich will nie wieder aufwachen!“. So grummelte also mein schwer angeschlagener Schädel dem neuen Tag entgegen und fast schien es als wolle er bersten, so hin- und hergerissen zwischen den Optionen. Welch schillernde Festivität hatte sich dort gestern aber auch zugetragen. Menschen, von denen man gar nicht mehr gedacht hätte, dass sie noch am Leben seien, trafen auf eben jene, die des Lebens überdrüssig schienen. Gelächter und Witz und Frotzelei verband sie. Wild flossen die Biere, und vielerorts auch Schnäpse, die Kehlen hinunter. Gesang und Gejohle und flotte Sohlen auf feuchten Parketten. Zwischen all dem Wanken und Schwanken mal rasch eine Flasche zerdeppert, eine Lampe zersplissen, ein wenig Frühstück evakuiert. Die Anekdoten und Geschichten grinsend hörend hinuntergespült. Die Zeit nahm eine Auszeit. Kippen auf den Boden, keine Handtuchartigen auf Klo. Erste Totalausfälle sammeln ihre zertrunkenen Körper auf den Stühlen in den Ecken. Die Kommunikation wird gelallter und verliert zunehmend an sinnvoller Substanz. Irgendwann ist Hochwasser im Denkzentrum, historischer Pegelstand, Abbruch, Abbruch, Abbruch. Die mentale Bundeswehr stapelt Sandsäcke, die physischen Füße stolpern nach Haus. Doch nächstes Jahr, das kann was werden. Da komme ich dann nämlich wieder vorbei, und dann geht es erstmal so richtig ab, oder so ähnlich, schließlich will ich unbedingt noch eine dritte Aufwachoption identifizieren. Und wenn ich mich dafür betrinken muß… |
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30.11.08 |
Schon wieder Nacht. Alles ist ruhig bis auf das ferne Rumpeln des Kühlschrankmotors. Auf der anderen Straßenseite hundert Fenster. Helle und schwarze. Hinter jedem wohnt ein Leben. Mindestens. So nah wie unterschiedlich. Mal ein blauer Vorhang, bald rote Lampen. Hektische Betriebsamkeit, Fernsehkanalgeflacker. Mancher raucht auf Balkonien trotz Kälte, aber wegen der Kinder. Heißt dunkel Schlafenszeit oder Schichtarbeit? Die Nacht frisst die Antworten. Die Aussenpflanzen sind verwelkt. Einigenorts ungerettet. Für immer. Der Winter hat zu tun, kann nicht warten. Bald schon will er wieder Schnee bringen. Für Fensterbretter und Austritte. Die Reste vom letzten liegen da noch. Matschiges Eis inzwischen. Alle hundert Leben rattern uhrengetreu. Hundert mindestens. Klick, klack. Pendelschwünge. Alles ist in tickender Bewegung. Von hier, aus der Ferne, doch so still. Es ist schon wieder Nacht. Der Kühlschrank teilt nun das Schweigen. |
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29.11.08 |
Ich will quadratische Salami mit spitzen scharfen Ecken, oder runden salamigroßen Toast. Ich will wissen, wieviel ein Klafter Holz ist und ob es professionelle Affenrasierer gibt. Ich will nicht mehr wie ein Kanarienvogel sein. Dunkelheit impliziert Nacht, schafft Schlaf. Ich will, daß das Vergnügen seine Blütenblätter in mir öffnet. Ich will trotz Bier die Augen scharf stellen. Ich will ein Computerspiel, bei dem blutrünstig und brutal auf etwas unschuldiges eingeschlagen wird. Mit einem großen Stock, und einem kleinen zum verdreschen des Ersten. Ich will keinen kleinlauten Großmäulern mehr zuhören müssen. Ich will einen Ausguck, ein Krähennest gar. Ich will einen Traum, so ziellos und farbenfroh, daß man meinen müsste er hätte Drogen genommen. Ich will den Zweikampf von Vernunft und Instinkt. Ich will das ferne Läuten alter Kirchenglocken. Ich will laut schreien, daß mich nicht die Zigaretten eines Tages umbringen werden, sondern der Tod. Ich will puppenlustig sein. Ich will vor einem Frisurengeschäft stehen und die Leute, die herauskommen, grundlos auslachen. Ich will keine hodenlosen Frechheiten mehr, keine Knäckebrotköpfe gefüllt mit Hartz-Wissen und Stümperschminke. Ich will diese sonnigen Tage mit Dauerregen und hellblauer Luft. Ich will Stille und Krach in meinem Gedanken. Ich will schmerzendes Licht und schmerzende Dunkelheit. Ich will Worte und Blicke und Küsse und Lachen und Weisheit. Ich will am liebsten ich sein. |
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25.11.08 |
Ich wollte nur mal kurz eine Analyse zu einer aktuell ausgestrahlten, aber wohl in der Mitte der Achtziger Jahre produzierten, Spiderman-Trickfilmepisode zu Geles bringen. In gemeinter Folge benutzt „Dr. Doom“, dessen Motivation und Entstehung ich im Übrigen noch immer nicht recht verstehe, ein Gedankenkontrollgerät. Behelfs dieses Apparillos bemächtigt er sich erst der Hirne, und damit der Gefolgschaft, der Vertreter einiger Nationen, um im Anschluß den Verstand des UN-Generalsekretärs zu vereinnahmen. Letztgenannter schlägt nun mit roboterhafter Stimme vor der Vollversammlumng der Nationen vor, sein Amt solle fortan von eben jenem „Dr. Doom“ bekleidet werden. Ein ebenso kakophones wie gleichgeschaltetes „JA!“ dringt durch das Gebälk des Parlaments und hastdunichgesehn ist der Bösewicht Chef der UN. Lachend tritt er ans Triumvirat der Mikrofone und verkündet, nun der Herrscher der Welt zu sein. In diesem Moment habe ich lauthals losgelacht. Mal ganz davon abgesehen, dass der Aufbau der Geschichte bis hierhin etwa fünfzehn Minuten gedauert hat und olle „Doom“ in nur 3 weiteren, von Spiderman einfach nur durch pure Abwesenheit von Kampfeswillen geschlagen sein wird, aber der UN-Generalsekretär, der Herrscher der Welt?! Das klingt ja wohl auch und gerade für die vorvorletzte Dekade eifrig weit hergeholt. Ich glaube ja zu wissen, dass dieser Posten allenthalben die Macht der verstrahlten Spinne, welche ebenso benannten „Spiderman“ damals biss, innehat. Rauftreten, Matsch, alle Lachen, aus die Maus beziehungsweise Arachnoid. Von daher empfehle ich Stan Lee, da er ja wohl irgendwie an der Storyline beteiligt war, sich mal eine x-beliebige „Pinky and the Brain“-Episode anzusehen und dadurch zu erfahren, welch bunter Strauß der Möglichkeiten sich einem verrückten Genie, mit Robotern und Luftschiffen und Gedankenkontrollgeräten, bietet, um die Weltherrschaft zu erringen. Über die UN geht es jedenfalls nicht, so viel scheint klar, ob mit oder ohne „Spiderman“. |
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24.11.08 |
Spitzmädlisch griente sie über ihre Schulter, die lächelnden Augen fast unmerklich hinter dem sanft fallenden Haar verborgen. Mehr aus Unsicherheit, als aus Nervosität, hatte sie die sonst so elegant geschwungene Unterlippe, hinter die schneeweiße, obere Zahnreihe geschoben. Ebenso weiche wie wilde Winkel rahmten ihr Gesicht in zarter Verheißungsfülle ein und wohlig labte sich das Sonnenlicht an ihr. Goldig wehte ihre Stimme, wortlos, aus der Miene. Man meinte bald ein Wort zu spähen, doch ihre Leichtigkeit war ach so vergänglich. Man brauchte Glauben, um von ihm abzufallen. Wegen ihr gab es Magie und Sternenlicht und Vogelflug. Die Zeit ward aller Regenbogenfarben Spießgesell´ und duftete euphorisch. Und lief langsam, gleichsam rasend schnell. Der Herzschlag voller Kapriolen. Sie schmunzelte nur so unvergleichlich, sprach nur mit den Brauen. Sagte alles doch und gar nichts. Dirigierte die Musik der Fantasie, spann Fäden aus Träumen zu Wahrheit. Der Atem stockte voll Ungläubigkeit, die Schönheit übermannte ihn fast. Beinahe unmerklich hinter dem sanft fallenden Haar verborgen, erleuchtete der Liebreiz ihres Augenwerks den Raum. |
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23.11.08 |
Um die Weiterbildung und das Lerntempo der Massen zu verbessern, haben wohl schon die alten Griechen den Unterricht im Gruppenverband erfunden. Das Wissen wird auf diese Art exponentiell verteilt. Einer berichtet von seinem Kenntnisstand, eine kleine bis mittlere Ansammlung lauscht und nach Zeiteinheit x ist zumindest ein wenig von der Bildung des Lehrenden auf die Objekte seiner Bemühungen abgefärbt. Nun ist die Krux an dieser ansonsten phänomenalen Methode allerdings, dass sie zu Beginn der Lehrveranstaltung von einem in etwa gleichen Kenntnisstand der zu Unterrichtenden ausgeht und auf diese Art ihre Geschwindigkeit und ihr Tiefgang evaluiert wird. Wunderbar funktioniert dieser Ansatz daher in den meisten Schulen, da ein gleiches Alter auch einen relativ ähnlichen Bildungsgrad impliziert und ohnehin nach einigen Jahren nochmals eine Dreiteilung vorgenommen wird. Trifft nun jedoch eine Gruppe unterschiedlichster Alters- und Wissensqualitäten aufeinander, verkompliziert sich der Prozess immens. Die einen sind, wohl im Überschwang und der breiten Interessensebenen der Jugend noch recht unbedarft, schreiben schon mal „Komonikation“ und beweisen täglich auf ein Neues, wie meisterhaft sie die Doppelcombo des Todes, keine Ahnung, aber Redseligkeit, auf sich vereinen. Die anderen haben schon ein mehr oder weniger breites Grundwissen und sind zwar auch interessierte Fragesteller, fühlen sich aber im Laufe der Zeit, durch das unqualifizierte Dazwischen- und Nachgeplapper der ersten Gruppe, so genervt, dass die Konzentration ständig steigend im Schwinden begriffen ist. Faktisch lernen alle weniger, als sie sich eigentlich vorgenommen hatten. Die Ahnungslosen, weil sie sich stets selbst reinreden, und die Begierigen, weil ihnen die Ahnungslosen ständig reinreden. Allerdings habe ich jetzt auch nicht die Zeit und Muße, kurz keinen Bock, um eine Lösung des Dilemmas zu ersinnen. Man sollte aber mal drüber nachdenken. Ganz allein und in Stille. |
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21.11.08 |
Der als ach so bedrohlich angekündigte Wetterumschwung mit all seinem Schnee und Graupel und der Kälte, hat heute morgen eine schon fast in Vergessenheit geratene Modesensation heraufbeschworen. Mein Hals ist echt ein Schaltyp. Modelgleich ließ er das Baumwollband lasziv von seinen Hüften schwingen und verbarg sich wie ein scheues Kitz dahinter. Optisch ward der Wickel sensationell mit der allgegenwärtigen Mütze kombiniert und stellte somit eine klare 1+ dar. Wir merken uns also: Auch tiefstes grauschwarz durch das die Herzen zerfrierende Pracht in schneeweiß und mit offen zur Schau getragener Menschenverachtung stürmt, hat in ihrem tiefen Inneren immer noch einen bunten, warmen Kern voller Güte. Und den kann man sich dann um den Hals wickeln. |
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18.11.08 |
Als ich als Kind lernte, wie man die Buchstaben malt, zeichnet und schließlich schreibt, war ich immer ziemlich stolz darauf mit meinem Stift den vorgegebenen Strichkombinationen exakt zu entsprechen. Kleine Schnörkel und wichtige Kurven traf man an quasi jeder Ecke an. Wurden Wörter oder gar Sätze zusammengesetzt, musste alles aus ästhetischen Gründen eine leichte Rechtsneigung aufweisen, sich aber nichtsdestotrotz noch in jenem Drei-Linien-Raster befinden, welches die „t´s“ oben und die „g´s“ unten beschränkte. Fröhlich und akkurat schrieb man also „Oma rollt gern mit dem Roller.“ und erfreute sich zwei Minuten später, damals hatte man noch Zeit, am geometrisch perfekten Ergebnis. Schrecklich waren dann immer die Momente, wenn die Mutter eine Notiz auf dem Küchentisch hinterlassen hatte. In ihrer schrecklichen Erwachsenenschrift hingen alle „n´s“ ganz schlapp durch und sahen wie „u´s“ aus. Auch Rechtsneigung schien ein vergessenes Schönheitsideal. Jeder Buchstabe reckte arglos Köpfchen oder Hinterteil in eine Richtung seiner Wahl. Alles verschmolz zu Brei, und dennoch war die gewünschte Information enthalten, wenn auch durch das Schriftbild abartig maskiert. Niemals wollte ich so schluderig dahingekritzelte Vermerke, mit schlaffen, krakeligen Buchstaben, haben. Niemals so ungeometrisch meine drei Linien verletzen. Niemals, bis ich heute durch mein Notizbuch blätterte, um einen Stichpunkt für den heutigen Text zu finden, und mir das ganze Elend von den Seiten entgegenweinte. Aber selbst wenn luftige Bögen durch einzelne Wörter gleiten, vier bis fünf Buchstaben kaum voneinander zu unterscheiden sind und ich mir ganz feste vorgenommen habe in Zukunft wieder, wie gelernt, schöner zu schreiben, muß doch festgehalten werden, dass ich als Kind den Zeitaspekt bei meiner Analyse als viel zu gering und unbedeutend gewertet habe und ich mir deswegen das ein oder andere Geschmiere verzeihen kann. |
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17.11.08 |
„Oh, wie toll!“, weiß die aufgekratzte Wettermaus zu berichten, „Heute wird der schönste Tag der Woche!“. Dann leiert sie Sonnenstunden und Temperaturen hinunter und deutet auf die vom Wetter liebkostesten Regionen der Deutschlandkarte. Würde sie nicht viertelmonatlich ähnlich lautende Jubelarien auszwitschern, wäre man fast geneigt ihr lächelnd zu glauben und warmen Herzens die Unterkunft zu verlassen, um durch Fels und Firn zu streifen. Doch welchen Wert hat „der schönste Tag der Woche“ schon, stellt er doch letztlich nur ein Siebentel der ihn ummantelnden größeren Zeiteinheit dar. Soll man von Dienstag bis Sonntag das Bett gar nicht mehr verlassen, höchstens vielleicht, um mit verkniffenen Augen aus dem Fenster zu blinzeln und meteorologisch korrekt „Besser kann es nicht werden“ zu murmeln? Welchen Sinn macht es, einen Wochentag explizit herauszuheben und seine wetterhafte Fabelheit, im Vergleich mit den restlichen Versagertagen, grinsend in die Kamera zu urinieren? Montag: 30 Grad, Sonnenschein bis zum Sonnenstich, Regenwahrscheinlichkeit null Prozent, Schlumpfeis nur 25 Cent die Kugel. Dienstag: Graupelschauer mit umzugskartongroßen Hagelkörnern, tragen sie angemessene Schutzkleidung (Panzer). Mittwoch: Tornados bis Windstärke 48, Fenster zu, sonst zieht es. Donnerstag: Erdbeben mit anschließendem größtflächigen Waldbrand, perfektes Wackelpudding- und Feuerzangenbowlenwetter. Freitag: Vulkanausbrüche. Vorsicht die Lava ist seeehr heiß, Sonnabend: Leichte Überschwemmungen von der Nordsee bis Göttingen durch 150 Meter- Tsunamis, Regenschirme nicht vergessen. Sonntag: Strahlend schön. Atomarer Erstschlag und daraufhin Vernichtung der gesamten menschlichen Zivilisation. Aber Hauptsache heute wird „der schönste Tag der Woche!“. |
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16.11.08 |
Schlurfend nähert sich die alte Dame immer weiter dem Treppenstock. Neben ihr watschelt ihr Mann, in diesem unsäglichen Altherrengang. Rumpf und Kopf sind buckelig vornüber gebeugt und hinter dem Rücken fasst die linke Hand das rechte Handgelenk und verschränkt so die Arme. Angekommen am Fuß des Aufstiegs bleiben sie stehen und schauen sich ebenso langsam wie nervös um. Das eine Augenpaar wandert über die linksseitige Peripherie, das andere über die rechte, das Quartett kreuzt sich in der Mitte, die Halle ist sondiert. Wäre es nicht längst zu gefährlich, würden sich ihre Wirbelsäulen nun wohl zu Fragezeichen verformen. Um die Situation zügiger zu einer Auflösung zu bringen, richten sie nun das Wort an eine Kittelschürzentragende, welche auf dem ersten Absatz eifrig den Boden wienert. „Junge Frau, sagen sie mal gibt es denn hier keinen Aufzug?“ quietscht es der alte Dame knusprig über die trockenen Lippen. „Nein. Nichts Aufzjuk geben tut!“ mäandert es in gebrochenem Serbisch zurück. In den Hirnen der Alten setzt eine kurze Datenverarbeitungsphase ein. Man muß nach oben, einen Fahrstuhl gibt es nicht. „Das ist ja ganz schön kurzsichtig.“, weiß er einzuwenden. „Wie sollen denn soo alte Menschen wie wir in den dritten Stock kommen? Wir haben es doch mit der Hüfte und der Bandscheibe und den Knien und den Augen und den Ohren und so weiter.“ Daraufhin entspinnt sich ein kurzer Dialog mit der Reinigenden, an dessen Ende als Resultat und Lösung, die Benutzung der Treppenstufen beschlossen wird. Keck, wie eine jugendliche Mittsechzigerin, stellt die alte Dame fest, man könne sich ja einfach des Handlaufes bedienen und damit eventuelle Stürze vermeiden. Der lange, langsame Aufstieg beginnt. Ich stehe noch immer gebannt am Rand der Szene und frage mich ernsthaft, wie jemand, der es schon für unmöglich hielt aufgrund seiner Krankengeschichte die Treppe zu benutzen, im Falle eines Falles (wörtlich gesprochen) seinen Absturz durch das kraftlose Geklammere ans Geländer zu verhindern. Und jetzt finde auch ich es ganz schön kurzsichtig und knauserig, dass in ein Haus mit ganzen drei Etagen kein Komfortlift eingebaut worden ist. |
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15.11.08 |
Ich bin umgeben von der taubenblauen Traumwelt der mittleren Nachtstunden. Das periphere Sichtfeld liegt in verschwommenem Nebel da. Vor mir steht eine matte, metallische Maschine, welche in die Dunkelheit hinaus dröhnt. In ihrem tiefen Rumpeln liegen zwischen quetschen, quietschen und quatschen nur Nuancen. Rasselnd öffnet sich in der Mitte eine große Lade und ohne es wirklich zu wollen, strecke ich beide Hände hinein. Rasant zischt heißer Dampf empor und die Klappe der Lade mit ohrenlähmenden Krawall hinab. Unaufhaltsam dringt sie durch Fleisch und Knochen meiner Arme und trennt die Hände direkt hinter deren Gelenken mit wohlfeiner, roter Präzision ab. Erschrocken weiche ich, die himbeerfarbenen Stümpfe mit dem weißgrauen Kern betrachtend, zurück. Sei es Schock oder Traumgeschenk, ein Schmerz ist in der Überraschung nicht zu verspüren. Fast etwas zu dickflüssig kleckert der Lebenssaft in großen, schweren Tropfen aus den ehemaligen Handgelenken. „Mitternachtstau“ weht eine weiße Stimme fern über mir. Suchend schaue ich in die azurne Kuppel, welche sich weit oben aufspannt, und versuche den Ursprung der Windsprache zu erblicken. Außer der glanzlosen Nacht gibt es jedoch nichts zu sehen. Auf einmal zieht es in den Armen und ich bemerke, dass sich ein neues Paar Hände mit den schon schorfigen Armenden verbindet. Die viel hellere Haut dieser frischen Pranken klettert in Windeseile über karmesin und zinnober der Amputierten und findet saugend Anschluß. Sofort kann ich die Finger wieder bewegen, einzig sind sie viel feingliedriger und schlanker als die meinen. Wie Kinder- oder Frauenhände fast. Der linke Ringfinger ist am oberen Glied etwas verbogen und touchiert seinen Nachbarn. Ich hebe die Finger direkt vor meine Augen und lasse jeden von ihnen in schöner Reihenfolge nach vorn und hinten wippen. Hinter ihnen verschwimmt das Nachtgraue in regenbogenhafter Benzinpfützenoptik. Erschrecken und furchtsame Neugier überkommen mich, Erstaunen und Dankbarkeit bleiben. Die taubenblaue Traumwelt zerfällt und frisst den Rest der Erinnerungen in diesen mittleren Nachtstunden. |
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14.11.08 |
Kürzlich schlenderte ich zu einer pharmazeutischen Bedarfsvergabestelle, um mir einige Präparate zur Bekämpfung körperlicher Versehrungen zu zulegen. Am Ort der Begierde angekommen, begab ich mich zum Verkaufstresen und äußerte mein Begehr. Während die hurtig herum wieselnde Apothekerin (hatte sie sich an ihrer eigenen Kunst berauscht?) nun also die gewünschten Arzneien zusammenklaubte, ließ ich meinen wartenden Blick über das Angebotene streifen. Allerlei Pasten, Pülverchen und Pastillen gegen jeden erdenklichen Ausschlag, Anfall oder Abszess gab es zu erspähen. Außerdem Dentalprodukte, Hustenbonbons, verschiedenste Teesorten und zu meiner großen Freude: „Medizini mit Superposter – Die pfiffige Zeitschrift aus deiner Apotheke“. Und auch wenn das Superposter diesmal ein gar putzeliges Eichhörnchen zierte, sowie die UVP von 0 € gerade zu unschlagbar war, zog doch eine andere bunte Titeblattankündigung meinen beherzten Griff zur Publikation nach sich. Zusätzlich, so versprach man in Versalien, sollte diese Ausgabe nämlich auch noch ein „Wissens-Poster“ mit dem Titel „Die größten Tiere aller Zeiten“ enthalten. „Wow!“, denkt man da, und „King Kong und Garfield und Lassie!“. „Naja!“, liest´s sich später, und „Präriemammut und Megalodon und Terrorvogel!“ Aber egal, dass Poster ist ganz hübsch, hat ein maßstabsungetreues 40 Meter Lineal in der Mitte und außerdem handgeschmierte Zeichnungen von äußerst angepissten Riesentieren und einem ängstlich am Busen der Mutter zitternden kleinen Mädchen. Die „Medizini“-Redaktion jedoch, in Geiste und Feder stets dieser Millionensassa, der sie nun mal ist, gibt nicht so schnell auf. Arglistig weiß man den absolut nichts erwartenden Leser dennoch zu überraschen. Zum Beispiel mit „Grinsebrot & Gurkenschlange“ den „Lustigen Rezepten zum Nachmachen“. Flugs acht Paprikastreifen ringsum in das gebratene Hackfleischbällchen gesteckt, aus Mayonnaise und Pefferkörnern Augen draufgeklebt, voila, fertig ist die „Hack-Spinne“. Einfach ein Ei senkrecht aufgestellt, mit einer halben Tomate behütet und ein paar Frischkäsepunkte drauf, fertig ist der ebenso schmackhafte wie lehrreiche Fliegenpilz. Ansonsten bewohnen die Illustrierte nur die üblichen Verdächtigen. Ein Comic über Pferde für Mädchen, ein Comic über „Willi Wurm & seine Freunde“ für die Jungen. Ein paar Rätsel inklusive sehr leichtem Sudoku, humorig flankiert von den besten Leserwitzen, für deren Veröffentlichung man immerhin stattliche 10 € erhält. Dazwischen die „Pflaster-Parade“, in der wir vom Blasen-Pflaster über das Hühneraugen-Pflaster bis hin zum Nikotinpflaster das gesamte Spektrum der Klebeverbände kennenlernen, eine Anleitung zum Drachen steigen lassen und die witzig bebilderte Erklärung „Was macht krank?“. Alles in allem, ist das auf der Rückseite des Superposters gedruckte Heft mit dem ebenso unschlag- wie unsichtbarem Preis wohl eine recht amüsante Klolektüre, welche bei vorsichtigem Gebrauch sogar Schmökerstoff für zwei Sitzungen zu bieten hat. |
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13.11.08 |
Obwohl ich in den letzten Tagen fast keine Möglichkeit hatte, um meine aktuellen Gedanken zur Schau zu stellen, kommt hier nun die Kompilation des während der Zeit nur Halbdurchdachten: (1) „Ein sicherer und von Fluktuationen des Marktes unbetroffener Pornotitel wäre: „Das Niet- und Nagelfest““. (2) „Der Stasimitarbeiter IM „awfully sorry“ hätte sicherlich gute Chancen einem Prozess zu entgehen.“ (3) „Religiös zu sein hat den einen Vorteil, daß man das Leben nur als Phase begreift“. (4) „Wie der Geist des Kindes so ist. Unbekannt, verzogen, unbekannt verzogen, von Unbekannten verzogen.“ (5) „Achtung, Attacke, „This is Smurf-Turf!““ (6) „Nasenhaare, die Schamhaare des Gesichts!“ (7) “Ein grinsendes Highlight ein “Smilight””. (8) “Außergewöhnlichkeitsaspiranten: Sex auf der Toilette eines parkenden Flugzeuges!“ (9) „Ausgehend vom Ärger und den Anstrengungen, die die Aufzucht eines Nachkommen mit sich bringen, ist deren Produktion viel zu einfach gestaltet.“ (10) „Da lacht der historisch Interessierte: BDM = Bund deutscher Milchviehwirte!“. |
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| 10.11.08 | Als ich gerade meine aktuellen Gedanken und Notizen umstülpte, um ein Thema für die heutige Einlassung zu finden, geriet auf einmal ein Poem, welches ich vor genau vier Jahren verfasste in mein Augenmerk. Normalerweise würde ich natürlich niemanden mit meiner alten, unzutreffend formulierten Logik belästigen, doch schien es mir in diesem Fall allzu aktuell, mit zeitloser Brillanz behaftet und daher allzu schauderhaft wahr. Von daher heute, aus dem November 2004: „ Ich sollte mehr vom Leben seh´n“ Ich sollte mehr im Leben steh´n, und allen seinen Arten, Man würde besser wohl dann sehn´, in alle seine Karten. Verlassen scheint mein Sinn nach Sein, mein Weg sowie mein Ziel, Weiß´ nicht wohin es gehen soll, nur Möglichkeit zuviel. In engen Räumen darbe ich, suchend das Gesuchte, immer wieder sterbe ich, im Kreislauf, der Verfluchte. Einzig fehlt der Glaube wohl, die Endstation zu finden, Und mit der Tage Gleichheit nur, die Anzeichen entschwinden. Täglich wachsend ist der Druck, so lastend wie auch lähmend, Und immerdar muß denken ich, die Schmach unscheinbar grähmend. Was soll´ ich tun, wo soll´ ich hin, wie soll´ es nur geschehen, Wie soll´ ich´s tun, wo soll´ ich hin, was kann ich noch versteh´n. Doch scheint es eigentlich ganz klar, für jeden und für alle, Nur ich, so scheint es mir für mich, in Lethargie verfalle. Schlußendlich nun da muß sie her, die Lösung eines Lebens, Klar hoffnungsvoll so denke ich, die Suche nicht vergebens. |
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09.11.08 |
Manchmal fragt uns das Fernsehen in seiner dreistdummen Tollheit schon merkwürdige Sachen. „Ein Meer aus Pudding. Was gibt es besseres?“ frägt es da zum Beispiel werbewirksam. „Ein Ozean des Schnauzehaltens!“ trompete ich entnervt zurück. Und schon erkundigt sich der Nächste: „ Wenn du 500 Euro gewinnen willst, dann beantworte diese Frage. Wie heißt unsere Bundeskanzlerin? A: Angela Merkel, B: anders“ oder so ähnlich, aber die SMS kostet ja auch nur 50 Cent. Nun geht es ans Eingemachte: „Willst du deinen Schwarm nackt sehen? Dann jetzt mit deiner Kohle her, für das (Software-) Handyröntgengerät.“ Wiederum zum, schätzungsweise, (ver-)Spottpreis. Die Folgenden machen es ganz geschickt und bieten gleich die Lösungen, sozusagen Telefonjeopardy, an. „Wir beantworten jede Frage! Warum haben auch Männer Brustwarzen? Sehe ich gut aus? Ist man Busen zu klein, und wie viel wiegt der von Naddel? Warum ist die Banane krumm? Was muß man eigentlich investieren, um solch ein Abzockerunternehmen aufzubauen? Können Katzen fliegen? Ist der Mond brennbar? Wie schmeckt ein Dinosaurierfurz?“ Und so weiter und so fort. Kostet ja nur eine schnelle Nachricht. Nun gilt natürlich, dass wer den Tanz ausrichtet, auch bestimmen darf was gespielt wird, aber müssen die Instrumente echt aus Entleerungsprodukten bestehen? Sendbote des Teufels scheint das TV in vielen kleinen Momenten und doch gemacht für sein Publikum. Dieses begreift mit seinem mittel- anstatt messerscharfem Verstand nur langsam, wie es vorgeführt wird, trotzdem es erbärmlich viel Zeit für die braunsche Röhre, oder meinetwegen die flüssigen Kristalle, hat. Und vertändelt das BIP mit Kurznachrichten, für deren Piratenmethodik früher der Strick oder respektive ein gepflegtes „Rübe ab!“ ausgesetzt waren. Doch was will man auch von einem Auditorium erwarten, welches sich, vermutlich polnische, Jacken mit der schlecht gestickten Rückenaufschrift „much more…“ kauft? Much more als zur Zeit jedenfalls nicht. |
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08.11.08 |
Zeitlos schien die Stille. Keiner Wochen und Monate habhaft. Astronomisch fast wie schwarze Löcher. Dennoch fragte ich in sie hinein. Geleitet von Gedankenspielen und Zuversicht und einer schlechten, alten Fotographie. Die Schönheit glänzte doch darin, ein einzigartig Wunder. Der Grund, das Wesen, der DNS. Die Anmut der Evolution. Zu leichte Worte nur, für tonnenschweres Empfinden. Zu leicht und seicht dahingesagt. Zu leicht für Herzensschwüre. Angriff auf die Gedanken, der Geist unstetig wirbelnd. So schön, so schön, in allerhand Belang, so schön und doch so einzigartig. Wie kann man nur mit Menschen Maß die Einzigart bemessen. Dein Lächeln startet Galaxien, dein Wandeln ist melodisch. Die Stimme Engelslauten gleich, dein Antlitz philosophisch. Auch vielster Sätze Gesäß, ist unzureichend, zumindest. Die Kamera kann nicht erfassen, was die Phantasie dahinter sieht. Züge einer Göttin. strahlend, gleißend, unsterblich. Panthergleiche Agilität, streifend, gleitend, unnahbar. Ein Wesen menschlich fast, doch nahe am Perfekten. Mühsam reiche ich die Hand, geplant das Sehnen und Sinnen. In zeitloser Stille gleiten wir, im Traum zumeist von dannen. |
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07.11.08 |
Die gleiche Lampe, wie vor zwanzig Jahren, das gleiche gelbbraune Bücherregal, dasselbe schäbige Türfurnier. Die Fotos zeigen es doch. Drastisch und unnatürlich zugleich. Dieselben alten Vorhänge, schwarz von Dampf und Qualm, noch VHS im hinteren Eck, das gleiche brotlose Denken. Frisuren gebärden sich zeitlos. Für Kleidung ist Tempus egal. Das Gestern ist hier ferne Zukunft. Das Morgen nur Dystopie. Noch knattert es hier mit FCKW und Kat-frei durch die Lüfte. Noch glitzert der morgendliche Tau am Straßenrand benzinern bunt. Noch ist der Tag der Wende blass, noch scheint alles möglich. Die gleichen alten Vorurteile, die gleiche alte Denke. Damals war es besser nur, und davor damals, zuvor damals, damals. Doch manchmal ketten Ketten Zeit ein, manchmal umfängt sie Gefängnis. Selten strebt Wirklichkeit wirklichkeitsfrei. Oft scheint alles Bedrängnis, und Labsal, und Mühe, und Schuften, und weit mehr als antiquiert. Oft ist es die gleiche Lampe, wie vor zwanzig Jahren, doch sie weckt Erinnerungen an allumfängliche Liebe und Unschuld. Das immernoch gleiche Bücherregal lässt den Zeigefinger sanft in Erinnerung schwelgend über die Rücken der Habitanten gleiten. Nostalgisch lacht einen das vergangene Muster der Türtapete an. Irgendwie weiß man, dass das Anströmende der Zeit das Mitreißende an ihr ist. |
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06.11.08 |
Willkommen in Wolkenkuckucksheim! Hier hat man eine Meise unter dem Pony und darunter noch mehr Schabernack. Willkommen in Wolkenkuckucksheim, wo die Uhren anders gehen, ja humpeln beinahe. Hier steppt der Bär, hier mazurkat das Gnu, hier breakt der besoffene Elch. Hier wurde der Feldstecher vorm Opernglas erfunden, oder eben genau andersherum. Willkommen in Wolkenkuckucksheim, wo Truckula der Vampirlastwagen die Nacht durchstreift und es selbst tagsüber: „Vertan! Sprach der Hahn und stieg von der Ente!“ heißt. Wo die momentane Inexistenz von Einhörnern durch ihre wuchtige Überjagung im Mittelalter erklärt werden kann. Willkommen in Wolkenkuckucksheim! Hier zaubert der Fürst der Verführung noch persönlich die erregenden Wasserrohrbrüche in die Untergeschoße der Jungfrauen. Hier leuchten aus Babymäulern noch Zähne wie Klaviertasten. Willkommen in Wolkenkuckucksheim, wo zuerst unser Oma ihr klein Häuschen versoffen wird und diese daraufhin im Hühnerstall Motorrad fahren muß. Und wo für die Quartalssäufer pünktlich zum Monatsersten ein neues Quartal beginnt. Willkommen in Wolkenkuckucksheim! Hier können Frauen noch Wassermelonen durch Gartenschläuche saugen und jeden zweiten Dienstag ist Räumungsverkauf in den Nebenhoden. Hier lacht man noch über den „Taffen“, „Brisanten“, mitunter sogar „Explosiven“ Charme von Mietnomaden und mietet sich auch mal einen nur so zum herumstreunen. Willkommen in Wolkenkuckucksheim! Willkommen in der Welt des Absurden, Abstrusen und Abartigen. Der Welt voller Farben, vor allem schwarz und weiß, der Welt der nichts weltliches fremd ist. Willkommen in meinem Verstand. |
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05.11.08 |
Heute will ich eigentlich nur mal jenem jungen, grell nuttig geschminktem Mädchen Recht geben, welches höchstwahrscheinlich unter ihrer übermäßig bepelzkragenden Jacke ein T-Shirt mit dem Aufdruck „Mathe ist ein Arschloch!“ trug, und bei der Frage nach ihrer Meinung zum US-Wahlausgang meinte: „Keine Ahnung, dafür bin ich zu dumm! Aber lieber bin ich dumm, als jemand zu sein, den ich nicht bin!“ Und genau da hat sie nun aber mal wirklich so was von den Nagel in den Bauch geschossen. |
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04.11.08 |
Nach langen Monaten der Wahlkampfveranstaltungen und Vorwahlen und „V.P.-picks“ und Debatten ist es also heute Nacht endlich soweit. Irgendeiner wird heute in den USA gewählt und das auch noch zum Präsidenten. Als erste Amtshandlung darf der dann schon mal das Umzugsunternehmen für alle George „Dabbeljuhh“ anrufen, welcher, wie sich in mir jetzt kristallisierte, mit dem Hulk nicht nur Sprache, Intellekt und Außenpolitik gemein hat, sondern wie dieser auch noch etwas grün hinter den Ohren im Bereich allgemeine Manieren ist. Grundsätzlich ist es jedoch endlich an der Zeit, es dort mal einen anderen im „Weißen Haus“, was Obama im Falle des Sieges vielleicht streichen lassen sollte, probieren zu lassen, auch wenn mir der Termin aufgrund der Zeitverschiebung etwas aufstößt, da ich morgen früh raus muß. Aber sei es darum, die Zeitungen und Internetseiten werden ja, ein hoffentlich letztes Mal, voll mit dieser Wahl sein. Und dann ist es ja auch mal wieder gut. Ständig höre ich von den beiden Kandidaten ihre jeweiligen immer gleichen Argumente. In den gleichen Sätzen, mit gleicher Mimik und Gestik. Und die Zuschauer, welche genau die gleichen Worte wohl auch schon mehrere hundert Mal gehört haben müssen, applaudieren auch noch jedes Mal so frech. In dieser Situation muß ich immer an die beiden Typen denken, welche in der Zwölften in Deutsch irgendeinen Vortrag, ich glaube zu „Effi Briest“ oder so, gehalten haben. Obwohl der Eine ein „Fanta 4“-Shirt mit dem markigen Slogan „Kein Applaus für Scheiße“ trug, klatschten am Ende der Litanei dann doch die meisten Zuhörer, und ich musste laut ins Rund fragen, ob sie denn nicht lesen könnten. Soo gut war das abgelieferte Geseiere nämlich echt nicht. Ähnlich verhält es sich nun auch mit den meisten Wahlkampfreden und sinnvollerweise werde ich mir das ebengenannte Motto wohl auch für die sog. „neue amerikanische Zeit“ ab Januar aufheben, ganz gleich, wer heute Nacht gewinnt. |
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03.11.08 |
Und so fuhr ich denn, wie schon mindestens 372.147 Mal zuvor, die Rolltreppe hinauf und beäugte staunend die Menschen auf den auf- und abwärts gleitenden Gleisen. Aus den Kopfhörern, welche ich über meine Ohren gestülpt hatte und über denen wiederum ein warmes Wintermützchen prangte, drang jede Menge unerwarteter musikalischer Untermalung. Ich hatte wohl nachlässig mit „copy“ und „paste“ gearbeitet, und die Speicherkarte somit mal mit etwas Anderem gefüllt. Alles in allem, kam diese überraschende Wendung der Redundanz, der Situation jedoch aufheiternd zu Gute. Vor mir auf dem Laufband stand recht breitbeinig ein Typ mit ziemlich schlecht sitzenden Jeans. Darüber engte ihn eine nicht gerade viel Raum für mehr bietende Bomberjacke ein, auf der schlussendlich der miese Abklatsch einer mittelmäßigen 80er Jahre-Mittelhaarfrisur Platz genommen hatte. Ich schwebte also in leichtem Winkel himmelwärts, lauschte fröhlich den so lange ungehörten Melodien und malte mir farbenreich das bärtige Gesicht des Vorranreisenden aus. Vielleicht hatte er ja sogar eine üble Narbe zwischen linkem Tränensack und Mundwinkel. In gleichem Maße, in welchem sich die Fahrt ihrem Ende zuneigte, stieg also nun auch die Spannung. Schon trat er vom Förderband und begann sich plump nach rechts zu wenden und seine Front damit ihn meine Blickrichtung zu drehen. Und erneut war ich mehr als überrascht, als ich unvermittelt meine Nachbarin aus der dritten Etage anstierte, welche aber zu meiner Verteidigung, auch von vorne ganz schön doll wie ein Typ aussah, wie ein intimunrasierter Bauarbeiter lief, und wahrscheinlich auch so sprach. Genau kann ich das nämlich nicht sagen, weil sie mir immer nur missmutig zugrummelt, wenn ich sie artig grüße. Mal wieder ward bewiesen, dass Kleider Leute beziehungsweise Unmenschen beziehungsweise, von hinten, Geschlechtsumwandlungen machen. |
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01.11.08 |
Während ich diese Zeilen schreibe, bin ich, wie deutlich kann man es ausdrücken, unter Alkoholeinfluss. Der Richtigkeit der nun folgenden Postarika tut dies jedoch keinen Abbruch. Sicherlich bin ich verpflichtet meinen momentan durch Arbeitslosengeld II gesicherten Lebensstandard durch jede Art von zumutbarer Arbeit zu beenden. Und wer bin ich denn „Präsidenten“, „CEO“ oder „Anführer“ –gleich, ein solches Angebot abzulehnen? Dennoch wird mir, obwohl die verwaltenden Stellen über meine Historie informiert sind, allen Ernstes ein 6wöchiger „Kenntnisvermittlung Englisch“-Kurs anverpflichtet. In diesem Moment trifft Lächerlichkeit die realen Arbeitsnormen. Unverstand auf Sachverstand. Wie die meisten von euch sicherlich wissen, bewege ich mich sehr, sehr eloquent auf dem englischsprachigen Trapez, (Abitur mit LK darin gemacht und das Ganze), aber als ArbeitsAgentur-Mitarbeiter scheint das irrelevant. „Irgendwas mit Sprachenkenntnis war da linksoben angekreuzt, der sollma zum Esgbddhklisch-Kurs in der überübernächsten Stadt! (so scheint der Gedankenfluß dort)“. Und vollkommen unabhängig davon, wie verwässert oder verbiert oder verweint mein Zustand auch sein mag, mir eine Ausbildung, für eine aktenkundlich schon vorhandene Fähigkeit anzubieten, um meine Chance auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern ist und bleibt lächerlich. Egal unter welcher Alkoholeinflussqualität man steht. |
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31.10.08 |
Die Zeit gebärdete sich schulmeisterhaft. Sang- und klangeslos vorbeistreifend. Befahl das ihre. Ließ ihn sinnlos anhalten. Die schlimmste aller Süchte, die Sehnsucht, hatte ihn ziellos dahintreiben lassen. Obwohl allerlei Frauenzimmer sein Leben streiften, war es doch nie so, wie mit der Einen gewesen. Keine kitzelte auf gleiche Weise seine DNS. Keine ließ den eigenen Herzschlag gleichzeitig so laut und unfühlbar werden. Keine ließ ihn die zuckersüße Hölle, welche Abwesenheit des erbeigenen Verstandes war, erfahren. Und doch traf er sie unversehens, unerhofft, unerwartet. Klandestin strich sie beinahe vorbei, doch warme Erinnerungen formten ein seichtes: „Warte…“. Mit Abstand und doch tändelnd fast wie Kinder standen sie sich gegenüber. Er wortlos, sie vorerst erwartungslos. „Du siehst so gut aus.“, entfleuchte es ihm fast schamhaft, „Älter zu sein steht dir!“. Sie lächelte nur, so herzensraubend wie aller Tage, und komplimentierte artig zurück. Sie lächelte eigentlich nur, und noch immer war ihr Antlitz der reinste Diamant zu seinem Panzerglasherzen. Sie lächelte nur, und in beider Gesichter ward der traurige Übergang zwischen alter Romantik und Neuzeit gezeichnet. In ihren wässrigen Augen glänzten Vergangenheit und Zukunft im Ebenmaß. Göttin hört man sie fast rufen, und Vollkommenheit. Und während die Sonne langsam sank, und die Wolken wie weiße Segelschiffe am Himmel trieben, schien der Horizont ihrer Herzen gülden in Flammen zu stehen. |
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30.10.08 |
Na sage mal was ist denn hier los? Da geht man völlig unbedarft und nichts Böses ahnend hinaus in die eigentlich recht fröhlich daniederliegende Welt und plötzlich ist es Winter. Subpolare Temperaturen, Feuchtigkeit weht einem von allen Richtungen um die Nase und der scharfe Wind tut sein Übriges, um die Situation noch zu drastifizieren. Als hätte man den Kopf ins Gefrierfach gesteckt. Eine bodenlose Frechheit ist das im gerade einmal auslaufenden Oktober. Eine ebenso bodenlose Frechheit wie die wahren Klimaverhältnisse beim Blick aus dem Fenster vor mir durch geschickt eingesetztes Sonnenspiel zu verbergen. Nun heißt es also die dicken und farbarmen Socken herausgekramt, das Winterjäckchen gegürtet und die schweren Pullover aufgebügelt, um Boreas dann ein Schnippchen zu schlagen. Onion-Style dressed. Präparation ist alles, aber nicht, dass mir so ein Detemperisierungsversuch so bald noch mal vorkommt. |
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29.10.08 |
Noch liegt bleiernes, regnerisches dunkelgrau über dem soeben erwachten Tag. Obwohl einige emsige Vögelein dem gerade erst vollzogenen Sonnenaufgang entgegentirilieren, sind Blatt und Baum und Borke noch von gespannter Nachtstille umfangen. Urplötzlich klingelt, oder besser scheppert, in der entfernten Ecke eines kleinen Zimmers ein hagebuttenrotes Telefon und stört den nicht nur schlaftrunkenen Bewohner empfindlich in seinen Schlummeraktivitäten. Grummelnd fluchend erhebt er sich und schwankt, scheinbar voll wie eine Erwachsenenwindel, in Richtung des vorsintflutlichen Kommunikationsgerätes, für das die Omma wohl damals noch Miete an die Deutsche Post abdrücken musste. „Wer ruft schon so früh an?“, denkt er, „Das können ja wohl nur die Achtziger sein, die ihr schepperndes Telefon wiederhaben wollen!“. Ein schales Grinsen füllt sein Gesicht, ob der verschlafenen Humorattacke, und er daraufhin dieses mit einem Schlückchen abgestandenen Bieres, bevor er ansetzt den Fernsprecher zu bedienen. Blöderweise ist es gar nicht die vergangene Dekade, welche ihn hier kontaktiert, sondern Micha aus der Buchhaltung, der auch sofort und viel zu laut und schnell losschwadroniert. Wo denn die Berichte bleiben, will er wissen, seit zwei Tagen seien die schon überfällig. Allmählich bahne sich eine Katastrophe an, Jobs seien in Gefahr, Zeter, Mordio und Höllenqual. „Immer langsam.“, stammelnd der Überrumpelte mit einem einer partiellen Sonnenfinsternis gleichenden Blick in den Hörer, „ich fühle mich als hätte ich das Unterhemd von Bob Marley geraucht und du quatscht mich hier mit so einem Kokolores voll! Ich habe da ein, ähh, ausgedachtes und durchklügeltes System, das läuft schon, also immer schön den Joghurt flachhalten, mein Bester. In fünf Minuten schick ich dir das Zeug rüber.“. Am anderen Ende der Leitung herrscht nur noch ungläubiges Staunen, einzig flankiert von Entsetzen. „Tja“, denkt der Telefonterrorisierte, „große Klappe, Wicht dahinter! Das kennt man ja. Der Typ hält sich für so wichtig, nachdem werdense noch mal ne Sackgasse benennen.“ Und er muß laut rülpsend loslachen. Knacksend dringen ein wutentbranntes Schnauben, ein viel zu hohes „Fünf Minuten und keine Sekunde länger!“ und ein abruptes Auflegen durch den Draht. Dann nur noch gleichförmiges Tuten. Er schickt die E-Mail los, wohlwissend, dass sie nur knapp die Hälfte der geforderten Berichte, welche im Übrigen auch noch in recht zweifelhafter Akkuratesse verfasst sind, enthält und muß schon jetzt wieder beim Gedanken an den tobenden und johlenden Micha lachen. Mit unerwartet kräftigem Griff zieht er den morschen Stecker des alten Telefons aus der Wand und mixt sich einen kleinen Muntermacher aus gleichen Teilen Wodka und Whiskey. Schläfrig streckt er sich im Bett aus und entzündet einen mickrigen Zigarettenstummel, das einzig Rauchbare, was noch im Haus zu sein scheint. „Wer hätte schon ahnen können“, denkt er, „dass ein so scheppernd begonnener Morgen, so witzig würde weitergehen können.“ Er nippt am Glas, löscht den glühenden Filter in seinen Händen und stürmt reichlich unaufgeregt in Runde zwei seiner Nachtruhe. |
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28.10.08 |
Ich wollte mal eine Sache zu Geles´ bringen, welche mir vor einiger Zeit auffiel, als ich einen, nicht näher benannten, Angehörigen unserer Streitkräfte besuchte. An einer seiner Wände hatte er nämlich ein beeindruckendes Repertoire von militärischem Allerlei aufgehängt, das sich während seiner Laufbahn so angesammelt hatte. Zwischen den verschiedenen Schulterklappen und Auszeichnungsurkunden, befand sich dann auch eine recht ansehnliche Anzahl von Fotografien. Und was soll ich sagen, wenn die Bundeswehr eines kann, dann sind das Gruppen- bzw. Truppenfotos. Alle Mann in Reih´ und Glied, Fahne, Wappen, Wimpel oder anderen heraldischen Schnickschnack glatt gestriffen, Augen gerade aus, Blitzlicht. Zapfenstreich auf der Arschtrompete. Unüberraschenderweise eint alle diese Bilder eine ungrazile Uniformität, gleichermaßen in Form und Inhalt und wenn nicht immer irgendwo im Eck stehen würde, welches Ereignis hier lichtbildlich festgehalten wurde, man könnte sie als Außenstehender leicht verwechseln. Grundsätzlich ist wohl anzunehmen, dass sich solche fotografischen Fähigkeiten zwangsläufig entwickeln müssen, wenn man vierzig Jahre lang beiderseits des eisernen Vorhangs aufeinander lauert und ansonsten nichts wirklich militärisches wie töten, kaputtschießen, zerbrandbomben, beflaken oder versenken zu tun hat. Im Geiste dieses Gedanken wäre es wahrscheinlich recht interessant zu erfahren, in welchen zivilen Befähigungen die Verteidigenden noch eine gewisse Meisterschaft erlangt haben. |
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27.10.08 |
Nachdem wir kürzlich an die Wahlurnen gebeten wurden, um unter anderem eine neue Kleinstadtvertretung zu wählen, wurden Mitte letzter Woche die amtlichen Endergebnisse veröffentlicht. Schon als an jenem Sonntagmorgen im September zur Abstimmung gerufen wurde, war ich ziemlich überrascht, wie viele Namen und ihre politischen Affiliationen auf dem DIN A-wasweißichdenn-großen Votumsplakat abgedruckt waren. Für jeden Parteiengeschmack war etwas dabei, und auch wer einfach nach einem lottoscheinartigen Musterprinzip wählen wollte, fand mehr als ausreichend Fläche zum Austoben vor. Im Endeffekt änderte sich jedoch nicht wirklich viel, Schuster bleib´ bei deinem Leisten, und die Zusammensetzung des Stadtparlaments ist im Grunde genommen nur durch den Wahltag als Symmetrieachse durchstoßen worden. Einzig zwei Abgeordnete sind hier näher zu erwähnen, da ihr Name und ihre Parteizugehörigkeit in ungeahnter, wunderschöner Symbiose stehen, wie sie auch ein Sketchautor, Parodist oder Geisteskranker nicht schöner hätte ersinnen können. Und so muß man, auch wenn man ihren Meinungen nicht zustimmen mag, schon ein wenig über Frau Linke von der PDS und Herrn Völkel von der NPD schmunzeln. |
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26.10.08 |
Beinahe jede zweite oder dritte Nacht entkomme ich dem R.E.M.-Schlaf, wie schon des Öfteren berichtet, für einige Momente, in denen ich zwischen Realität und Traum taumelnd, die kaleidoskopisch schönsten Ideen und halbdurchdachten Gedanken antreffe. Hier nun ein paar davon: (1) „Ich bin eigentlich nur wegen dem Sex mit dir zusammen, sagte er. Hauptsache du liebst mich, erwiderte sie.“ (2) „Alkohol ist der schlechteste aller Beifahrer? Und was ist mit purer Dummheit?“ (3) „Kinder: Auch kleine Menschen können große Arschlöcher sein, bzw., auch kleine Fische stinken.“ (4) „Wichtigste Aufgabe von Spaziergängern: Leichen finden.“ (5) „Der nächste große Welthit nach: Titten raus, is Sommer!, wird wohl: Arsch ran, is Herbst!“ (6) „ Überflüssige Dialoge. Person A: Tiramisu! Person B: Mmmhhh!“ (7) „Glück ist die Prostituierte des Gewinners. Je mehr der Eine bereit ist zu investieren, desto befriedigender werden die Dienste des Anderen sein!“ (8) „Mit Abstand betrachtet ist der Tod genau wie das Leben. Nur länger und weniger interaktiv.“ (9) „Was, zur Hölle, ist eigentlich der Unterschied zwischen Salami und Edelsalami auf meiner Pizza?“ (10) „Bei aller Liebe sagte sie, und meinte Freundschaft, allerhöchstens!“ |
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25.10.08 |
„I think I spider!“, näselte sich der polyglotte Fremdsprachenkorrespondent in seinen krummen Oberlippenbart. „Your English is ja under all canon!“. Seine heutige Klientin hieß Gunilla, war 32, Make-up-Artist(!) und aus Reuden. Und genauso sah sie auch aus. Bei der kurzen Begrüßung hatte er erst fälschlicherweise „Gorilla“ verstanden und sich aufgrund der allzu passenden Nomenklatur vor Lachen fast an seinem Sesam-Frischkäse-Bagel verschluckt. Eilends ward das Missverständnis jedoch aufgeklärt und er hatte der nur dezent Überschminkten ausführlich den modus operandi der Simultandolmetschenden erläutert. Sie sollte einfach wie gewohnt, quasi wie ihr der Schnabel, ein im Übrigen durchaus zutreffender Vergleich, gewachsen war, vor sich hinplaudern und er würde ratfatz die adäquaten englischen Vokabeln an die Gesprächspartner liefern. Tragischerweise schien sein Gegenüber, „Du kannst mich ruhig Gunni nennen, machen alle“, im verzweifelten Versuch verfangen einen geisitg gesunden Menschen zu simulieren, nicht recht aufgepasst zu haben. Wie von der Kesselpauke penetriert, trompetete sie also den angloamerikanischen Herstellern von Verjüngungspasten entgegen: „ Hello my Jentlemans! I find it wery gut to miet you. Goes it you gut?” Entsetzt starrte der Translator mit leeren Augen in die Runde und meinte fast nun sterben zu müssen, um sich daraufhin vor Scham im Grabe umdrehen zu können. „Du blöder Gorilla“, dachte er, „halt einfach die Klappe, oder ich trete dich gleich dahin wo der Rücken aufhört so zu heißen! Du bist wohl gegen einen Telefonmast gerudert!“ Auch die Gäste aus Übersee beäugten die ebenso farbenfroh Bemalte wie Gewandete mit einer Synthese aus Verwunderung, Mitleid und Abscheu in einem klaren Mischungsverhältnis zugunsten letztgenannter. Jedoch ließen sie sich in ihrer oberflächlichen Lebenseinstellung natürlich nicht anmerken, dass sie Gunilla allerhöchstens die lebhafte Intelligenz einer Tapezierbürste zutrauten, witterten sie doch gute Geschäfte, und lächelten aufgesetzt freundlich nickend. Sogleich riss der Dolmetscher die Konversation an sich. „Sorry“, sagte er, und „excited“ und „How has your flight been“ und solche Sachen. Die Gesichtsgrafikerin verstand zwar nichts, fand sich selbst aber echt dufte und global. Ihre granatapfelroten Lippen schmierten weit aufgerissen über ihre rosanen Pausbäckchen und formten geräuschlose „Yes, yes, genau“´s in die Debatte. Schlußendlich einigte man sich auf einige recht ordentliche Exklusivverträge, die kosmetische Bildhauerin hatte sich glücklicher- und produktiverweise weitestgehend aus dem Gesprächsverlauf herausgehalten, und begoß die Verträge mit einem Gläschen „Prosecco, you know, Stösschen!“. Der versatile Fremdsprachenakrobat fand sich jedoch wieder einmal nur wenige Zentimeter davon entfernt seinen Job an den Nagel zu hängen. Zuviele „Gunnis“ traf er neuerdings, zu viele vermeintliche Experten engagierten ihn, zu oft musste er „I think I spider!“ denken. |
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24.10.08 |
Eng aneinandergeschmiegt stehen die kleinen Häuschen im Halbdunkel der heraufziehenden Nacht. Zwischen ihren hölzernen Fensterläden dringt das orangewarme Licht der inneren Geschäftigkeit auf die Straße und tändelt sorglos mit dem matten Schein der alten Laternen umeinander. Ihr gemeinsames Leuchten streift glänzend über das den Boden bedeckende Blattwerk, welches fein säuberlich zu herbstbunten Haufen zusammengefegt ist. Im Abendnebel glitzernd, kosen die spitzen Dächlein einander, auf denen sanft dampfend die gemauerten Schornsteine thronen. Beinahe unmerklich umweht die Schwaden ein wohlriechender Dämmerstundenwind und sorgt für eine feine, leise Geräuschkulisse. Sternenbrandung scheint die Szenerie zu rufen, und Mondscheinsonate. Die unverletzte Natürlichkeit ferner Gestade strahlt aus dieser einfachsten und ursprünglichsten aller Kulissen. „Wirklichkeit, bist du das?“, frage ich atemlos und mit verbal mangelhafter Konstitution in die Stille. Die Anmut nimmt mich in Geiselhaft, weckt ferne Reminiszenzen, durchdringt die Gedanken. „Halte mich bitte wach, damit ich dich länger ansehen kann.“, flüstere ich der Schönheit zu. Nostalgisch durchduftet Ebenmaß alles. Die etwas windschiefen Fenster, die sorgsam bemalten Pforten der kleinen Holzzäune, die geflissentlich arrangierten Blumenbeete. Beinahe unvergänglich steht das Ensemble der kleinen Häuschen hier im Zwielicht aneinandergelehnt und lächelt mundlos in die Dämmerung. Und mit feuchtem Blick schmunzele ich zurück, als ich den Liebreiz zitternden Schrittes hinter mir lasse. |
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23.10.08 |
Neulich entschied ich mir die Morgenstunden mit ein paar selbst aufgebackenen Brötchen zu versüßen. Interessanterweise setzte gerade an diesem Tag jedoch mein inneres Zeitempfinden aus und ich extrahierte drei ansehnlich verkohlte Teiglaiber aus dem Ofen. Ungenießbar, unvorzüglich, unantastbar. Heiß, heiß, heiß. Ich beschloß die verbrannten Derivate zwecks Abkühlung auf dem Balkon zu positionieren, um ihnen danach den Abfalleimertod anheim stellen zu können. Die darwinistischen Grundregeln schlugen jedoch mit vollster Breitseite zurück. Schon nach wenigen Minuten hatte sich der erste Sperling, herabsegelnd, auf dem Erker herniedergelassen und pickte vergnügt an den Schrippen herum. Nachdem er eine kleine Krume entnommen hatte und davongeflogen war, kehrte er alsbald mit seinen Spießgesellen im Anhang zurück, und gemeinsam zerlegte man die Teigleichen. Fasziniert beobachtete ich das Schauspiel und entschloß mich, der filigran muskulösen Vogelkörper angesichtig werdend, fürderhin eine Gruppe, eine Truppe, ein Orchester, schließlich eine Armee der Geflügelten zu versammeln und zu instruieren. Fortan streute ich Mischbrotbrösel über die Aufbackbrötchenkadaver, lockend, reizend, einladend. Und sie kamen. In all ihrer natürlichen und artenübergreifenden Einzigartigkeit. Der Spatz, in vielerlei Hinsicht unterschätzt, und all seine Kameraden. Kohlmeise, Blaumeise, Balkonbrötchenmeise. Ein ornithologischer Orgasmus. Und allmählich kann ich sie sogar zur Menschenfreundlichkeit heranziehen. „Never bite the hand that feeds you“. Schon bald werde ich eine Schnabelarmee unter meinem Kommando vereinen können. „Attacke“ heißt es dann, und „Angriff“. Oder „Diebstahl“ und „Vollschiss“. Und so kann ich den Missgünstigen nur zurufen „Haltet die Füße still, der Spatzen Schnäbel sind geschärft“. |
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| 22.10.08 |
Die Dusche brüllt mir mit ihrer wässernen, porös dreidimensionalen Stimme ins Gesicht. Rauschend verteilt sich ihr Atem auf Nasen- und Jochbein, wäscht das Blei aus den Lidern. Die Lebensgeister scheinen Fischen ähnlich und beginnen sich munter im Sog der Feuchtigkeit zu tummeln. Mein Herzschlag nimmt rasante Fahrt auf. Das wohlige Koma der Nacht entschwindet und macht Platz für den Odem des Daseins. Allmählich erwacht der Verstand und vertreibt die vegetative Roboterhaftigkeit der letzten Minuten. Das staubige, elektrische Licht kann nur schwerlich vor mir verbergen, dass nebenan hinter den Fensterscheiben noch tiefste Dunkelheit auf den Straßen liegt. Es ist nicht nur viel zu früh, um halbwegs wach, sondern sogar sehr viel zu früh, um nur halbwegs trocken zu sein. Aber Pflichtbewusstsein und ein fast neurotischer Sinn für Pünktlichkeit treiben mich vor sich her, das unmenschlich kühle Nass ist ihre Peitsche. In jahrelang trainierter Gelassenheit schwinge ich das Frottee, harke die Haare und schäume den Mundraum mit Waldbeerduft und Fluorid aus. Das noch leicht beschlagene Spiegelbild zollt meinen Bemühungen Respekt. Ein erst marginales, aber durchaus anschwellendes, Lächeln klettert mir auf die von Stoppeln umrandeten Lippen. Ein wohlfeines Backpfeifengesicht grinst zurück. Innerer Vorbeimarsch. Mentales Schulterklopfen. Duftend dem Sonnenaufgang entgegen. Mission accomplished! |
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21.10.08 |
Eine Aussicht, wobei hier Perspektive gemeint ist, und nicht etwa Einsicht, wie man jahrhundertelang fälschlicherweise annahm, scheint der erste Schritt zur Besserung zu sein. Eigentümlicherweise verhalten sich die Gedanken wie Sand auf einem Spielplatz, durchbrechen ständig die Grenzen und ergießen sich auf die Wege. Der Fokus fehlt. Hier der Duft von Vanilleshampoo, dort gaukelt eine Horde Schmetterlinge durch das Bunt der Blumen. Der Fokus fehlt. Hüben ein adipöser Kolibri, ein Kilobri womöglich, drüben der Geschmack eines Traumes, das Geräusch eines Regenbogens. Der Fokus fehlt. Die umfassende Schönheit der nichtigen Kleinigkeiten, das Trommelfeuer der Neuronen, lässt die Imagination tanzen. Da kommt kein Fokus der Welt mit. Und wie auch? Idylle. Eintracht. Grüne Wiesen, selbst im Herbst. Abends gibt es kaum Verkehr. Gleichförmig ist das Leben hier. Verziert nur vom ständig leise aufblitzenden Abstrusen. Man schwebt durchs Grau, von Sonderbarkeit zu Seltsamkeit gleitend, und muß einsehen, dass keine Aussicht auf Besserung besteht. |
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